Der Münzenmann vom Altonaer Museum

Ottensener Pensionär begutachtet und datiert alte Münzen.

Von Christopher von Savigny.
Henning Homanns Arbeitsgeräte sind eine Schieblehre, eine Präzisionswaage und eine Digitalkamera. Damit vermisst und dokumentiert der pensionierte Kaufmann alte Münzen aus dem Magazin des Altonaer Museums. Schon seit sechs Jahren ist er damit beschäftigt, durchschnittlich zwei Tage pro Woche nimmt sich Homann Zeit für seine Arbeit. „Mir ist daran gelegen, dass die Sammlung vernünftig erfasst wird“, sagt der Hobby-Numismatiker. „Außerdem lernt man dabei viel über Geschichte.“
Auf Homanns Arbeitstisch liegt eine Silbermünze aus dem Jahr 1788, ein „Speziestaler“ aus der Zeit von König Christian VII. Anhand der Prägung und der Beschreibung im Münzkatalog kann Homann das Geldstück genau zuordnen. „Sehen Sie hier, die Initialen“, sagt er und zeigt auf die beiden kleinen Buchstaben unter dem Abbild des Königs. „D. I.“ ist dort zu lesen – die Abkürzung steht für „David Jacobsen“, den Medailleur der Münze.
Hilfreich bei der Einteilung sind auch kleinste Unterschiede in der Kopfform oder bei der Haartracht des abgebildeten Herrschers. Oder Schrötlingsfehler – das sind Fehler im Metall, die bei der Herstellung gemacht wurden. „Häufig bezahlte man damals nicht mit dem Nennwert, sondern mit dem Gewicht des Geldstücks“, sagt Homann. Das „Passiergewicht“ bezeichnet die unterste Grenze für eine Münze: War sie leichter, musste man die fehlenden Gramm in Silber nachzahlen. Und was war ein Speziestaler damals wert? Homann zuckt mit den Schultern. „Vielleicht eine Kuh“, sagt er fragend. Unter Sammlern wird die Münze heute für etwa 200 Euro gehandelt.
Mit den rund 1.000 schleswig-holsteinischen Münzen in den Museumsschubladen ist Homann großenteils fertig – nun kommen Medaillen und alte Maße und Gewichte dran.
Der Ottensener Pensionär ist Zweiter Vorsitzender des „Vereins für Metrologie“, der zurzeit knapp 350 Mitglieder hat, sogar bis in die USA. „Metrologen“ (nicht zu verwechseln mit „Meteorologen“) beschäftigen sich mit alten Maßeinheiten wie Klafter und Scheffel, Lot und Unze. „Da hängt mein Herzblut dran, weil man noch so viel erforschen kann“, sagt Homann.
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