Der Geigen-Zauberer: Gino Romero-Ramirez

Cap auf dem Kopf, Geige unterm Kinn: Gino Romero-Ramirez in typischer Pose. (Foto: pr)
Kindern - vielen Kindern auf einmal - Tag für Tag Geigen beizubringen, das kann doch ein sensibles Musiker-Gehör auf die Dauer nicht aushalten. Oder?
Gino Romero-Ramirez legt den Kopf ein wenig schief, lächelt. Er lächelt oder lacht fast immer. Ein Mann mit endlos guter Laune, scheint es. Aber diesmal lächelt er ein wenig verständnislos. „Für mich ist das ein Geschenk, diese Kinder“, sagt er dann. „Wenn sie das erste Mal die Angst überwinden und spielen - richtig spielen - was sie dann ausstrahlen, die roten Backen, das ist die reine Freude....dann sind sie kleine Engel. Das kann man mit Profimusikern nicht haben.“ Er strahlt, hebt die Schultern, fügt hinzu:„Man muss eben Geduld haben - dann wird es immer sauberer und schöner.“
Am 14. April vor 30 Jahren landete der 20-jährige kolumbianische Musikstudent auf dem Frachter „Ciudad de Manizales“ in Hamburg. Deutsch lernen sollte er hier, bevor er weiterzog in die Musikstadt Wien, in der Freunde von ihm studierten.
Irgendwie wurde es nichts mit der Weiterreise. Dafür kann Gino heute, mit fast 50 Jahren, in St. Pauli keine 20 Schritte gehen, ohne erkannt, begrüßt, umarmt zu werden. Ausgerechnet auf dem Kiez fand er seine Berufung: Kindern das Geigenspielen beizubringen. Hunderte hat er unterrichtet, in der Ganztagsschule St. Pauli und in der Louise Schröder Schule.
Zeit, eine eigene Familie zu gründen, hat er nicht gefunden. Selbst zu Hause hört er die Aufnahmen „seiner Kinder“ an: „Da hört man nochmal ganz anderes“. In seiner kargen Freizeit geht er in Klavier- oder Violinkonzerte, hört sich gern alte Konzertaufnahmen an: „Heute geigen sie sportlicher, früher hatten sie mehr Seele“, sagt er.
Mal ausspannen, auf dem Sofa faulenzen? „Wenn ich rumliege, kriege ich die Krise“, sagt er. „Ich bin auch nur am Wochenende krank.“
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