Das zerfetzte Ich

Thomas Melle beschreibt in „Die Welt im Rücken“ schwindelerregende Seelenzustände. Foto: da/Grafik: Rowohlt Berlin
Hamburg: Nochtspeicher |

Lesung im Nochtspeicher: Thomas Melle schildert in „Die Welt im Rücken“
seinen Kampf gegen die manisch-depressive Krankheit

René Dan, St. Pauli

Es dauert nur Sekunden, und das eigene Leben ist aus den Fugen. Fesselnd, schonungslos und wortgewaltig beschreibt Thomas Melle in „Die Welt im Rücken“ seine manisch-depressive Erkrankung. Der Schriftsteller liest am Dienstag, 22. November, im Nochtspeicher aus seiner Autobiografie, die für den Deutschen Buchpreis nominiert war.
Einem breiteren Publikum ist Thomas Melle durch seine Romane „Sickster“ und insbesondere „3000 Euro“ bekannt geworden. Wie in seinem Werk über Schulden, Sex und Scham vereint Thomas Melle auch in „Die Welt im Rücken“ Ergreifendes mit Humor.
Mal glaubte Thomas Melle während seiner krankhaften Schübe, Jesus zu sein und die Welt retten zu müssen. Dann wieder meinte er, Sex mit Madonna zu haben, und ein anderes Mal sah er sich als Stings Sohn. Widersprach aber gleichzeitig energisch, als eine Psychiatrie-Mitpatientin behauptete, Osama bin Ladens Tochter zu sein.
Über das Erlittene schreibt der Wahl-Berliner in einer präzisen und immer wieder poetischen Sprache. So etwa, wenn er die drei Leben des bipolaren Menschen schildert, „die einander ausschließen und bekriegen und beschämen“: das Leben des Manikers, das des Depressiven und das des „zwischenzeitlich Geheilten“. Dieser „wandert zerfetzt durch die Gegend und kann sich nur über das Schlachtfeld wundern, das hinter ihm liegt“.
Wer Melles Lesung besucht, bekommt Einblicke in einen Kosmos großer Gefühlsschwankungen, deren radikale Konsequenzen vielen unbekannt sind.

Thomas Melle, „Die Welt im Rücken“, am Dienstag, 22.
November, um 20 Uhr im Yacht-Club im Nochtspeicher, Bernhard-Nocht-Straße 69a. Karten für 10,90 Euro zuzüglich Versandgebühr unter
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