Das vergessene Handwerk

Rita Glüsing, Eva Heckscher, Alice Jankowski und Bernd Schmidt-Tiedemann (v. l.), freuen sich über das Ergebnis ihrer sieben Jahre langen Arbeit. Fotos: fs

Arbeitsgruppe von Ehrenamtlichen des Altonaer Museums stellt ihr Buch Von Nägeln und Nagelschmieden in Altona vor

FATMA ŞAHIN, Altona

Im Alten Hörsaal des Altonaer Museums haben vier Hobbyforscher ihr Buch „Von Nägeln und Nagelschmieden in Altona“ vorgestellt. Sieben Jahre lang haben Alice Jankowski, Eva Heckscher, Rita Glüsing und Bernd Schmidt-Tiedemann an dem Buch über das alte Handwerk gearbeitet. „Es war eine echte Fleißarbeit“, sagt Bernd Schmidt-Tiedemann. Er und seine Mitstreiterinnen haben das Archiv des Museums durchforstet und Altonaer Adressbücher ab 1794 durchgesehen. Obwohl sie dabei manchmal die Verzweiflung packte, trieb sie ihr Ehrgeiz jedes mal aufs Neue an.
Sie lernten: „Nagel ist nicht gleich Nagel“
Die ehrenamtlichen Forscher wurden dabei selbst von der Vielfalt und Wichtigkeit ihres Forschungsobjekts überrascht: „Wir dachten immer der Nagel ist ein kleiner schlichter Gegenstand.“ Doch sie wurden vom Gegenteil überzeugt. Heute wissen sie, dass es 300 verschiedene Varianten gibt, die auch in Kunst, Architektur, Literatur, Religion und Medizin benutzt werden und wurden.
Insbesondere die lebenden Nachfahren der Familie Schüllenbach zu finden, war für die Gruppe eine der „motivierendsten und bedeutendsten Momente. Mit einem Namen konnten endlich lebendige Personen verbunden werden“, so Schmidt-Tiedemann. Ferdinand Schüllenbach, der ein Eisenwarengeschäft in der Budapester Straße betreibt, stammt von alteingessenen Nagelschmieden aus der Holstenstraße ab.
Die ersten Nagelschmiede in Altona können bereits 1802 nachgewiesen werden. Durch die Nähe zum Hafen boomte das Handwerk, doch mit der Industrialisierung konnten die kleinen Betriebe nicht mithalten. „Ein Schmied konnte pro Tag höchstens 2.000 Nägel herstellen“, weiß Rita Glüsing. Seit 1900 sind daher keine Nagelschmiede mehr in Altona nachweisbar.
Das Buch „Von Nägeln und Nagelschmieden in Altona“ ist eine lesenswerte Kulturgeschichte aus dem Viertel, die eine Lücke schließt. „Es gibt kaum Literatur über den geschmiedeten Eisennagel, eher über die Schraube“, hatte Schmidt Tiedemann bereits im Juni 2011 im Altonaer Wochenblatt gesagt, als er das Projekt der ehrgeizigen Forscher vorgestellt hatte. Sie sind pensionierte Bibliothekare, Tischler, Volkswirte oder Oberstudiendirektoren und dürfen nun das Ergebnis ihrer Forschungsarbeit in den Händen halten.
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