Das Riesentier, das nicht weg will

„Da blase ich meine Backen auf - das ist der Beweis, dass ich lebe!“ Herr Paul (Uwe Serafin) und Anita (Viktoria Reinhardt) kommen sich näher. Foto: Einwirkzeit

Theatergruppe „Einwirkzeit“ auf der Hebebühne: „Herr Paul“ hat am nächsten Dienstag Premiere

Ch. v. Savigny, Ottensen
„Ein großes Riesentier aus der Vorzeit, ein imposantes Riesentier mit offenem Maul, das alles verschlingt“ – das
ist Herr Paul in den Augen von Herrn Helm: Der ist wiederum jung, so-tun-als-
ob-dynamisch, gleichgültig. Helm, Erbe einer alten Seifenfabrik, will hoch hinaus, hat allerdings kein Geld – dafür aber ein Problem: Herrn Paul. Dick und unbeweglich sitzt der in den alten Fabrikräumen und setzt die Welt um sich herum in Bewegung, indem er stört.

Mit dem Stück „Herr Paul“ bringt die vor zehn Jahren gegründete Theatertruppe „Einwirkzeit“ ihre mittlerweile sechste Produktion auf die Bühne. Kunterbunt und abenteuerlich liest sich die Auflis- tung der bisherigen Spielorte: Monsuntheater und Sprechwerk zählen dazu, auch der Türmerboden der Michaeliskirche und der Paternoster des Bezirksamts Eimsbüttel. Nun also die Hebebühne – eine ehemalige Autowerkstatt unweit der Altonaer Fabrik, die samt Bartresen und großer Bühne zum schicken Veranstaltungszentrum umgebaut wurde. Was zum Stück passt – denn genau darum geht es: Um die Verwandlung eines ehemals schlichten, dreckigen Ortes in eine schnieke Event-Location. Und um das Credo von Herrn Helm „Schneller, höher, weiter“ – und dass solch eine Einstellung häufig in die Katastrophe führt.
Als „zeitlos aktuell“ bezeichnet Hauptdarsteller Uwe Serafin den Stoff des Dramatikers Tankred Dorst, der im Juni leider verstarb – was mit der Stück- auswahl jedoch nichts zu tun hat. „Wir hatten die Geschichte schon vor zehn Jahren am Wickel“, berichtet Dramaturgin Nina Schnackenbeck. „Damals hieß es: Finger weg, das ist zu schwere Kost. Heute müssen wir es einfach machen!“
Zum Gründungszirkel von „Einwirkzeit“ gehören neben Schnackenbeck auch Regisseurin Heike Skiba und der Vereinsvorsitzende Christian Hanke, die sich allesamt im Umfeld des Hamburger Kellertheaters kennenlernten. Die Schauspieler sind Profis und werden jeweils von Produktion zu Produktion neu gebucht. Zwar ist der Verdienst gering – die Truppe finanziert sich über Eintrittsgelder und Projektförderung – doch die Beteiligten können es verkraften. „Schließlich“, sagt Serafin, „ist dies eines der drei besten Stücke, in denen ich jemals mitspielen durfte.“
❱❱ Premiere: Dienstag, 3. Oktober, 20 Uhr, Hebebühne, Barnerstraße 30, Hinterhof; Weitere Vorstellungen: mi/do 4./5. Oktober, sa/so 18./19. November, mi/do 6./7. Dezember, 20 Uhr. Karten ab 17 Euro unter Tel. 40 13 80 25 oder mail@einwirkzeit.de.
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