„Das brauchen sich alte Leute nicht gefallen zu lassen!“

Axel Caben (78) ist Bewohner der Seniorenreneinrichtung Lutherpark. Der ehemalige Leiter des Harburger Theaters ist Vorsitzender des Heimbeirats und wütend darüber, dass die von der Schließung Betroffenen nicht in den Entscheidungsprozess mit eingebunden wurden: „Ich gehe hier nicht weg. Ich sage Nein zu jedem Vorschlag, den sie mir machen werden.“
 
Das sind Käthe Kronenbergers Söhne und Enkelin. Zwei Jahre hat es gedauert, bis die 93-Jährige sich im Lutherpark eingewöhnt hat. Nun lebt sie gerne dort. Wird die Einrichtung geschlossen, beginnt alles wieder von vorne. „Wie sollen wir dem Betreiber noch trauen? Das nächste Heim, in das unsere Mutter kommt, könnte ja genauso plötzlich zumachen!“ Die Infoveranstaltung haben sie vorzeitig verlassen: „Informationen gab es da ja überhaupt nicht!“

Großer Protest gegen die Pläne der Pflegen & Wohnen GmbH, die Senioreneinrichtung Lutherpark zu schließen.

Überfallartig hat die Pflegen & Wohnen GmbH, Betreiberin von 13 ehemals städtischen Altenheimen, die Bewohner des Seniorenzentrums Lutherpark am Holstenkamp vor vollendete Tatsachen gestellt: Das Heim wird geschlossen – und zwar schnell: am 31. Mai. Die betroffenen alten Menschen, deren Angehörige und Betreuer, Anwohner aus dem Holstenkamp, Mitglieder und Helfer der benachbarten Kirchengemeinde – alle stehen unter Schock. In Bevölkerung und Politik formiert sich entschiedener Widerstand.
Eine vom Geschäftsführer Johannes F. Kamm geleitete Informationsveranstaltung verbesserte die Lage nicht. Im Gegenteil: Dem mit bemühter Anteilnahme für die Sorgen der Alten auftretenden Kamm gelang es in der anderthalbstündigen Veranstaltung vor rund 200 Leuten nicht ein einziges Mal, den richtigen Ton zu treffen. Platitüden: „Das macht Sie betroffen. Das macht mich betroffen. Wenn sie jetzt traurig und enttäuscht sind, dann ist das in Ordnung“ forderten Kommentare wie den von Claudia Hansen heraus: „Sein Verständnis geht mir eine Handbreit am Hintern vorbei!“ Hansens Mutter und ihre Nenn-Oma leben in der Senioreneinrichtung.
Jörg-Peter Scholtz, dessen schwer pflegebedürftige, demente Mutter im Heim versorgt wird: „Besonders perfide fand ich, dass in der Einladung zu der Informationsveranstaltung gar nicht erwähnt wurde, dass es um die bevorstehende Schließung ging. Meines Erachtens ein Zeichen dafür, dass hier eiskalte Strategen am Werk sind, die damit erreichen wollten, dass möglichst wenige zur Infoveranstaltung kommen.“
Doch dieser Plan ging nicht auf: Der p&w-Boss stand 200 Menschen gegenüber, die zutiefst verunsichert und sehr wütend waren. „Meine Mutter ist 104 Jahre alt. Das ist ihr Todesurteil“, sagte Inge Haase.
Brita Schmidt-Tiedemann, Vorsitzende des Seniorenbeirats Altona, warf den Heimbetreibern Gesetzesbruch vor. Der Wohnbeirat des Heims müsse vor großen Veränderungen informiert und um seine Meinung gebeten werden. Dass das mit der Erklärung, man wolle niemanden beunruhigen, nicht geschehen sei, sei „pseudofürsorgliche Willkür und Bevormundung. Das brauchen sich auch alte Leute nicht gefallen zu lassen!“


Wie gehts weiter?
Pflegen & Wohnen (p&w) hat die Schließung der Senioreneinrichtung Lutherpark zum 31. Mai beschlossen. Den 148 Senioren sollen in Einzelgesprächen andere Plätze in ganz Hamburg angeboten werden. Mieter der Bauten am Holstenkamp soll ab 1. Juni die städtische Gesellschaft „Fördern und Wohnen“ werden. Die will hier 330 Flüchtlinge unterbringen. Man darf vermuten, dass diese so lange bleiben werden, bis das Grundstück an der A7 nach dem Bau des „Autobahn-
deckels“ ein Mehrfaches wert ist und mit großem Gewinn verkauft werden kann.
Gegen die Schließung des Heims protestiert unter anderem die Luthergemeinde. Sie will das traditionsreiche Seniorenheim in ihrer Nachbarschaft erhalten. Das Heim ist das einzige Pflegen & Wohnen-Haus im Hamburger Westen und eine der preiswertesten Senioreneinrichtungen in ganz Hamburg.
Die Politik kann wenig tun, wenn sich ein privater Betreiber entschließt, sein Seniorenheim zu schließen. Wohl aber kann sie verhindern, dass am Standort statt Senioren Flüchtlinge untergebracht werden. Eine solche Umnutzung erfordert nämlich die Zustimmung der Bezirksversammlung.
Zwar beteuert p&w, das Heim werde in jedem Fall geschlossen, egal, ob Flüchtlinge nachfolgen oder nicht. Das Heim sei defizitär. Doch p&w betreibt zwölf weitere Senioreneinrichtungen; alle zusammen schreiben schwarze Zahlen.
Verhindert die Politik eine Umnutzung, liegt dieses Seniorenheim brach. Velleicht fördert das die Einsicht, dass ein Weiterbetrieb besser wäre.
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2 Kommentare
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Heiko Lüdke aus Altona | 25.02.2014 | 18:41  
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Jürgen Lohse aus Neugraben | 26.02.2014 | 12:30  
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