Computer-Spanner vor Gericht

Verurteilt: Der Luruper Marcus C. hatte die Computer junger Frauen ausspioniert und sogar deren Webcams manipuliert, so dass er in die Wohnzimmer der Betroffenen schauen konnte.

Aus dem Altonaer Amtsgericht: Luruper spioniert junge Frauen aus.

Von Reinhard Schwarz.
Marcus C. richtet seinen Blick starr geradeaus, als ein Polizeiexperte im Amtsgericht Altona den Trick des Angeklagten erläutert. C. soll insgesamt elf Frauen ausgespäht haben, indem er einen Virus auf deren PC schleuste. Anschließend war es dem Luruper möglich, die E-Mails der Frauen auszuspionieren und sogar deren Webcam – die Videokamera am Rechner – zu aktivieren, so dass der PC-Spanner direkt ins Wohnzimmer seiner Opfer schauen konnte.
Mit einer der Frauen nahm C. Kontakt über ein Info-Fenster auf: „Hallo I.! Antworte lieber! Deine Gardinen hinter dir sind ja schon zu.“ Er drohte, die Daten ihres Computers zu löschen. Die Frau antwortete nicht, schaltete ihren Rechner sofort aus und ging zur Polizei.
Die machte den Täter ausfindig. C., ein unscheinbarer, seriös wirkender Versicherungskaufmann, hatte sich im Internet ein Schadprogramm heruntergeladen, das es ihm ermöglichte, in fremde Computer zu schauen. „Die Zielgruppe war jung, weiblich, um die 20 Jahre alt“, erläutert der Polizeiexperte. Das Virus, das C. per E-Mail bei seinen Opfern einschleuste, „war nicht besonders raffiniert und auch nicht besonders neu“. C. versteckte es in einer sogenannten Zip-Datei, in der sich scheinbar eine Einladung zu einer Party befand. Beim Öffnen wurde das Schadprogramm aktiv.
Für sein Verhalten hat der 42-Jährige, der die Taten zugibt, keine rechte Erklärung. Er habe „beruflichen Stress gehabt“, zum „Frustabbau“ habe er viel getrunken, sagt er. Doch C. war 2009 schon einmal wegen ähnlicher Delikte angeklagt. Das damalige Urteil: 1.000 Euro Strafe. Ein Hilfsangebot des sozialpsychiatrischen Dienstes habe er damals aus „Zeitgründen“ nicht wahrgenommen, sagt C. mit leiser Stimme.
Die Richterin zeigt sich angesichts der Vorstrafe wenig nachsichtig. Sie übernimmt die Forderung der Staatsanwaltschaft und verurteilt den Angeklagten zu 10.000 Euro Strafe. Dann warnt sie: Nächstes Mal muss er in den Knast.
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