Bunt ist nicht witziger

Für seine Zeichnungen erhielt Til Mette 2002 den Deutschen Karikaturpreis in Bronze, 2009 in Gold. Darüber hinaus wurde er 2013 mit dem Deutschen Cartoonpreis (Kategorie Profis) ausgezeichnet. (Foto: sd)

Zu Besuch beim Karikaturisten Til Mette in seinem Atelier in der Ruhrstraße

Von Sabine Deh

Til Mette, „Meister der komischen Kunst“, wie er von Kollegen und Fans genannt wird, empfängt seinen Gast in seinem Atelier in der Ruhrstraße, und erzählt aus seinem Leben.
1956 erblickte er als Gotthard-Tilmann Mette im westfälischen Bielefeld das Licht der Welt. Der Vater war Arzt, die Mutter Lehrerin. In der Hoffnung, seine Kinder für seinen Beruf begeistern zu können, beglückte der Senior Til und seine drei Geschwister jedes Jahr zu Weihnachten mit einer Arztausrüstung im Miniaturformat. Geholfen hat es nicht. „Keiner von uns ist in seine Fußstapfen getreten“, erzählt der Zeichner schmunzelnd.
Statt dessen begann Til Mette bereits als Schüler seine Bücher und Hefte mit „Fratzen“ voll zu kritzeln. Zweimal blieb er sitzen. Selbst im Kunstunterricht ist er keine große Leuchte gewesen. Bei einem Projekt zum Thema „Herbstwald“ dekorierte Mette sein Lateinbuch mit Kreuzen, Bäumen und Herbstlaub und nannte sein Werk „Herbstlicher Friedhof“. Statt einer guten Note gab es Ärger vom Lateinlehrer. Seine Mutter versicherte ihm aber immer wieder: „Til, wir sind Spätzünder, Du schaffst das.“ Sie sollte recht behalten. Das Abitur bestand er mit einer Note von 1,3.
Mette erlebte 11. September in New York
Als Kind träumte Mette von einer Karriere als Kfz-Mechaniker, später wollte er Pastor werden, wie der von ihm verehrte Onkel. Am Ende entschied er sich für ein Kunst- und Lehramtsstudium. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits Karikaturen für Schülermagazine gezeichnet und dachte, es sei eine gute Idee, sein mageres Studenten-Einkommen mit Cartoons für Zeitungen aufzubessern. Das klappte besser als erwartet. Schon bald zeichnete er regelmäßig für die Taz, die Süddeutsche, den Stern oder die Hamburger Morgenpost. Nach seinem Umzug nach New York außerdem für die New York Times und den New Yorker.
In New York erlebte er die Terroranschläge am 9. September 2001 hautnah. Zurück gekehrt nach Deutschland sind er und seine Frau aber nicht aus Angst vor weiteren Terroranschlägen, sondern weil sie wollten, dass ihre beiden Töchter in Europa aufwachsen. Auf brisante Themen verzichtet er in seinen Zeichnungen nicht. Weder nach dem 11. September, noch nach dem Anschlag auf seine Kollegen von der Pariser Satire-Zeitung Charlie Hebdo. „Nicht unsere Zeichnungen sind eine Waffe, sondern die Kalaschnikow in den Händen der Terroristen“, sagt er mit Nachdruck.
Warum gibt es in seinen preisgekrönten Karikaturen mit den schrulligen Figuren aus dem Bürgertum eigentlich so wenig Farbe? Zum einen schätzt er die Amerikanische Schule, deren Zeichner ihre Cartoons klassisch in Schwarzweiß halten. Zum anderen findet er: „Meine Zeichnungen werden nicht witziger, wenn der Himmel blau ist.“
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
1.355
Katja H. Renfert aus Rotherbaum | 10.01.2016 | 17:43  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.