Brandstifter aus Frust

Aus dem Altonaer Amtsgericht: Zwei Jahre auf
Bewährung für Zündeleien in Lurup und auf St. Pauli

Ch. v. Savigny, St. Pauli/Lurup

Über seinen Rollator gebeugt schleicht sich der Angeklagte langsam in den Gerichtssaal hinein. Der Rücken ist krumm, seine Haare grau. Rainer W.* sieht aus wie ein alter Mann, dabei ist er erst 54 Jahre alt. Das Leben hat dem Luruper übel mitgespielt: Drei Bandscheibenoperationen hat er bereits über sich ergehen lassen müssen, zudem ist er seit Jahren wegen Depressionen und Epilepsie in nervenärztlicher Behandlung.
Kaum zu glauben, dass sich dieser schwer gezeichnete Mensch nun vor Gericht verantworten muss. Der Vorwurf: Im April und im Mai letzten Jahres soll W. in Lurup und St. Pauli mehrmals Feuer gelegt haben. Insgesamt sechs Taten wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor.

Der Schaden war erheblich: Zwei Fahrzeuge – zwei Mercedes-Sprinter – und eine Gartenlaube brannten aus. Auch ein Supermarkt war betroffen.
Vor Gericht ist der Angeklagte in vollem Umfang geständig: „Es ist eine Erleichterung für mich, dass das nun vorbei ist“, sagt W.* Seine Erklärung: Anfang letzten Jahres habe er seinen Job als Lagerist verloren. Zwar bekam er vom Arbeitgeber eine fette Abfindung in Höhe von 100.000 Euro, doch der Frust war trotzdem gewaltig. Statt sein Geld auf die hohe Kante zu legen, verspielte er es auf der Reeperbahn. Und stattete den „Gewerblichen“, wie er die Prostituierten nennt, mehrere Besuche ab. Diese nutzten die Gutgläubigkeit des Freiers schamlos aus und stahlen ihm, was noch übrig war. „Ich wurde richtig abgezogen“, sagt W.
Gefasst wurde W. nur deshalb, weil die Polizei eine Überwachungskamera installieren ließ: Einen der Tatorte, den Penny-Markt in der Elbgaustraße, hatte der Angeklagte gleich mehrmals aufgesucht.
„Menschenleben waren in
Gefahr“, so der Staatsanwalt

Von bloßen Zündeleien will die Staatsanwaltschaft daher nichts wissen. Teils seien immerhin Menschenleben in Gefahr gewesen, sagt der Ankläger, der drei Jahre Haft fordert. Am Ende kommt W. nur ganz knapp um eine Gefängnisstrafe herum: Zwei Jahre auf Bewährung lautet das Urteil.
Der Richter betrachtet die Brandserie als einmalige Frustaktion. „Sie sind kein Pyromane“, sagt er. Man müsse die Sache aber „im Auge behalten“.

* Name geändert
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