Brandanschlag auf Hamburger Morgenpost

Durch ein Fenster im Innenhof hatten Unbekannte Steine und einen oder mehrere Brandsätze in die Verlagsräume der Hamburger Morgenpost geworfen. Das Blatt hatte Mohammed-Karikaturen veröffentlicht, die in der Pariser Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ erschienen waren. War das der Grund für die Attacke? (Foto: Marius Roeer)

Unbekannte warfen Molotowcocktail durchs Fenster – Islamistischer Hintergrund vermutet, aber nicht bewiesen.

Auf das Verlagsgebäude der Hamburger Morgenpost in der Griegstraße ist in der Nacht zum Sonntag ein Anschlag verübt worden. Es wird vermutet, dass er eine Reaktion auf die Titelseite der Mopo vom Donnerstag, 8. Januar, sein könnte. An diesem Tag hatte die Zeitung als Zeichen der Solidarität mit den Kollegen der französischen Satire-Zeitschrift „Charlie Hebdo“ drei von deren Mohamed-Karikaturen auf dem Titel und weitere innen im Blatt veröffentlicht – dazu die Schlagzeile: „So viel Freiheit muss sein“.
„Charlie Hebdo“ war vergangene Woche während einer Redaktionskonferenz von zwei mit Maschinengewehren bewaffneten Islamisten überfallen worden – sie töteten zwölf Menschen.
Allerdings gibt es im Zusammenhang mit dem Hamburger Brandanschlag bisher keine Bekennerschreiben oder andere Hinweise, die klar darauf hindeuten, dass die Attacke auf die Hamburger Morgenpost ebenfalls einen islamistischem Hintergrund hat.
Als die Verlagsräume angegriffen wurden, war das Gebäude menschenleer. Gegen 2.20 Uhr drangen Unbekannte in den Innenhof des Hauses ein und warfen Steine und Brandsätze durch die Fenster in einen Kellerraum. Dort fingen Akten und andere Papiere an zu brennen. Die Feuerwehr, durch die Brandmeldeanlage alarmiert, war schnell vor Ort und verhinderte, dass sich der Brand ausdehnte.
Mit 20 Funkstreifenwagen startete die Polizei eine Sofortfahndung. Am S-Bahnhof Bahrenfeld fielen zwei Männer auf, die die Flucht ergriffen, als sie die Polizisten sahen. Sie sprangen in die S-Bahn Richtung Altona. Die beiden Tatverdächtigen, 35 und 39 Jahre alt, wurden am Bahnhof Altona vorläufig festgenommen, bestritten aber, mit dem Anschlag auf die Mopo etwas zu tun zu haben. Erste kriminaltechnische Untersuchungen konnten nicht beweisen, dass die beiden Männer die Tat begangen haben - sie sind aus der Haft entlassen.
Inzwischen haben sich Kollegen vieler Zeitungen und Politiker aller Parteien mit der Hamburger Morgenpost solidarisiert und ausdrücklich darauf hingewiesen, wie wichtig Presse- und Meinungsfreiheit für die Demokratie sind. Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz und Innensenator Michael Neumann waren am Sonntag persönlich vor Ort.
Die Polizei bittet: Wer Beobachtungen gemacht hat, die im Zusammenhang mit der Tat stehen könnten, möchte sie dem Landeskriminalamt unter
Tel 428 65 67 89 melden.
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