Böses Spiel im Internet

Martin E. ist verurteilt worden. Zügig verlässt er den Gerichtssaal.

26-Jähriger droht 13-Jähriger, ihre Nacktbilder zu veröffentlichen - Bewährungsstrafe

Von Miriam Roersch.
Als ginge ihn das alles gar nichts an, wartet Martin E. teilnahmslos vor Saal 101 im Amtsgericht Altona. Richter Dr. Olaf Beier und Staatsanwältin Katrin Kossow sind sich schnell einig: Der 26-Jährige aus Rheine in Nordrhein-Westfalen wird wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und versuchter Nötigung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten auf Bewährung verurteilt.
Auf der Internetplattform Knuddels lernte E. vor zwei Jahren die damals 13-jährige Nele (Name geändert) aus Hamburg kennen. Bei einer Skype-Sitzung am 15. Juni 2012 forderte E. das Mädchen auf, vor laufender Webcam die Brüste zu zeigen. Und er wollte noch mehr. Als die 13-Jährige sich weigerte, ihm Fotos von ihrem entblößten Gesäß und Bilder ihrer Schwester zu schicken, drohte er ihr, die zuvor aufgezeichneten Nacktbilder ins Netz zu stellen.
„Ich habe überhaupt nicht vor, mich herauszureden“, sagt E. dazu. Für ihn habe alles wie ein Spiel angefangen. „Dass es sich so entwickelt, hätte ich auch nicht gedacht.“ E. redet langsam, braucht oft lange, bis er innerhalb eines Satzes das nächste Wort ausspricht.
Seit er 18 Jahre alt sei, habe er mit depressiven Phasen zu kämpfen. Einen Monat vor der Kontaktaufnahme mit Nele hatte sich seine Freundin von ihm getrennt. E. will Elektroniker für Energie- und Gebäudetechnik werden, wird im Dezember die praktische Prüfung wiederholen, die er Anfang 2012 nicht geschafft hat. „Ich bin dabei, mein Leben wieder in ordentliche Bahnen zu lenken.“
Bei Nele wollte er sich längst entschuldigen. „Ich fing einen Brief an, traute mich aber nicht, ihn abzuschicken.“ Er habe gehofft, sie im Gericht anzutreffen. Doch hier wollte Nele kein zweites Mal erscheinen. Sie war am 5. Mai da gewesen, auf diesen Tag war die erste Hauptverhandlung angesetzt. Der Angeklagte kam nicht. Ein Haftbefehl wurde erlassen. „Ich hatte gar nicht mit so etwas gerechnet“, begründet er jetzt seine Abwesenheit.
Martin E. ist kein unbeschriebenes Blatt: Am 23. Juni 2011 wurde er in Osnabrück wegen versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Er soll der damals 13-jährigen M. gedroht haben, leicht bekleidete Fotos von ihr zu verbreiten, wenn sie sich nicht mit ihm treffe. E. erklärt: „Da wurde mir etwas angehängt, dass so niemals passiert ist.“ Richter Beier rät dem Verurteilten, nicht nur die eigene Sicht auf die Dinge wahrzunehmen.
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Anne Alter aus Eimsbüttel | 18.06.2014 | 12:58  
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