Blechtresor schützt 23-Meter-Kunstwerk

Renate Link führte die Bürgerinitiative „Rettet das Hundertwasser-Café“. Jetzt beobachtet sie die Abrissarbeiten - wehmütig, weil es nicht gelungen ist, das Hundertwasser-Café im Ganzern zu erhalten, hoffnungsvoll, weil der Bauherr die Fassade erhält und den Rest des Cafés wieder aufbauen will. Foto: ch

Abriss des Hundertwasser-Cafés an der Behringstraße - Fassade wird erhalten.

An der Behringstraße 42-44, mitten auf einem Abrissgrundstück, steht seit kurzem ein großer Block aus schwarzem Trapezblech. Ein Mahnmal? Ein monströser Sarg? Nein, ein Tresor: Der dunkle Kasten schützt das, was vom Hundertwasser-Café übriggeblieben ist: die straßenseitige Fassade des Gebäudes, 23 Meter lang, fünf Meter hoch.
Jahrelang hat der Kampf um dieses Café getobt, dessen richtiger Name Stadtcafé Ottensen war, das aber allgemein nur Hundertwasser Café hieß, da es nach Skizzen des weltberühmten Künstlers Friedensreich Hundertwasser gebaut wurde.
Als es abgerissen werden sollte, um Platz zu machen für Neubauwohnungen, erhob sich lauter Protest im Viertel. Eine Bürgerinitiative formierte sich, angeführt von Renate Link. Das, was Link erreichen wollte - dass das Café als Kunstwerk nicht angetastet wird – hat sie nicht durchsetzen können. Trotzdem: Renate Link ist es zu verdanken, dass die Fassade gerettet werden soll, um sie in das Neubauprojekt zu integrieren. Darüberhinaus hat der Investor sich verpflichtet, auch das Innere des Cafés so wieder aufzubauen, wie es war - minus der Änderungen, die der Barrierefreiheit, der Sicherheit und den zeitgemäßen Anforderungen an eine anspruchsvolle Gastronomie geschuldet sind.
Zu diesem Zweck ist das Café vor seinem Abriss mit moderns-ten Mitteln gescanned worden. Jens Bräutigam, Geschäftsführer der Wohnbau GmbH: „Außerdem haben wir verschiedene Dekorationsteile geborgen, die wieder eingefügt werden.“
Mit einer Mischung aus Wehmut, Furcht und Hoffnung betrachtet Renate Link das Gehäuse, in dem die Fassade jetzt mehr als zwei Jahre lang im Dunkeln stehen wird: „Hoffentlich ist das alles gut abgestützt“, meint sie leise und fügt hinzu, dass die riesige Baustelle doch etwas Beeindruckendes habe. Das Hundertwasser Café, das sie mit ihrem Jugendfreund Rainer Bruns betrieb, war ihr Lebenswerk. Renate Link wirkt gelassen: Sie hat getan, was in ihren Kräften stand, um die Ottenser Institution zu retten.
Die Neubauwohnungen sollen im Sommer 2015 stehen; dann wird auch das neue Café eröffnet.
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