Blaues Wunder erlebt

Jeder konnte sehen, was Nils Waldow fotografierte. Und vielen sprach der derbe Spruch wohl aus der Seele. Foto: h. mann

Subversiver Schriftzug gewinnt Fotowettbewerb

Von Christiane Handke.
Was für ein Ärger aber auch! Da klappt die PR-Maschinerie der Stadt Hamburg für die Cruise Days und den blau beleuchteten Hafen von Lichtkünstler Michael Batz wie am Schnürchen. An die 600.000 Besucher, Feuerwerk und Kreuzfahrtschiffe ... rund 500 Hobbyfotografen lieferten beim offiziellen Fotowettbewerb auf hamburg.de stimmungsvolle Bilder ab. Aber dann: Grätscht da doch irgend so ein subversiver Protest-Spaßmacher dazwischen, und jetzt lacht ganz Deutschland über Hamburg!
Farblich passend zu der von Batz inszenierten Lichtorgie Blue Port, hatten Unbekannte blaue Neonröhren am Fußgängerübergang von Park Fiction über die St. Pauli Hafenstraße zum Schriftzug „Fuck U!“ arrangiert.
Wer sich auskennt, weiß Bescheid: Die unhöfliche Aufforderung drückte Protest aus gegen die Vermarktung der Stadt, gegen Groß-Events, Lärm und Luxus-Feiern, gegen die steigenden Mieten im Gefolge und die Verdrängung der angestammten Anwohner. Denn die können sich nicht lange halten, wenn ihr Kiez von Investoren als lukrativer „In“-Stadtteil entdeckt wird. Kurz: alles Themen, die vom Hamburg Marketing nicht mit der Kneifzange angefasst werden.
Und jetzt musste dieses Fuck U auch noch offiziell gekrönt werden. Denn ausgerechnet ein Foto des schrillen Schriftzugs schnitt im Wettbewerb um das schönste Foto zum Blue Port am besten ab. Tausende Besucher von Hamburg.de hatten dafür gestimmt - und nicht etwa für sanft blau leuchtende Schiffe oder Brücken.
Man biss die Zähne zusammen und vergab zwei Preise, einen an „Fuck U“, fotografiert von Nils Waldow, den anderen an das Bild von Dennis Weber mit einem „schönen“ Motiv.
Verstanden und durch den Schriftzug repräsentiert fühlen sich viele Hamburger, die auf dem Kiez und in seiner Umgebung wohnen. Stellvertretend für all diese sagte Michael N. (Name der Redaktion bekannt): „Dass das „Fuck U“ so viel Anklang findet, das gehört sich doch einfach auf dem Kiez! Jeden Abend dieses Geballer wegen dieser beleuchteten Schiffskacke, was soll das? Wie kann man nur Geldsäcken zujubeln, die auf große Kreuzfahrt gehen – das verstehe ich einfach nicht.“
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