Bewegende Trauerfeier für Francis Kwame

Trompeten-Solo am offenem Grab: Bei der Trauerfeier für Francis Kwame sprach Pastor Sieghard Wilm. Foto: Urike Schmidt

Der Älteste der Lampedusa-Gruppe starb mit 55 Jahren

Von Ulrike Schmidt.
"Wir haben nicht den NATO-Krieg in Libyen überlebt, um auf Hamburgs Straßen zu sterben!“ steht auf einem orangenen Transparent am Steindamm. Seit einem Jahr hängt es am Infozelt der Lampedusa-Gruppe.
Nun ist Francis Kwame tot. Mit 55 Jahren Jahren war er der Ältes-te unter den Flüchtlingen der „Lampedusa in Hamburg“ Gruppe. Seit einem Jahr kämpfen sie für ein Bleiberecht. Diesen Kampf hat Francis Kwame verloren.
Seine Beerdigung fand am 30. April auf dem Öjendorfer Friedhof statt. Rund 100 Freunde und Unterstützer kamen um Abschied zu nehmen. Kwames Cousin Isaac Bootey, 32, war aus Belgien angereist. „Er war wie ein großer Bruder für mich. Ich habe mir Sorgen gemacht, er hatte sich schon lange nicht mehr bei seiner Familie gemeldet.“
Francis Kwame wollte seinem Sohn, der in Ghana zur Schule geht, das Studium finanzieren. Er hatte nicht vor, nach Europa zu kommen. In Libyen arbeitete er zunächst für den deutschen Baukonzern Bilfinger Berger. Als er nach Ausbruch des Krieges seinen Job verlor, putzte er Autos in einer Waschanlage und musste schließlich fliehen.
In Hamburg gestrandet, schlief er anfangs auf einer Parkbank in der Nähe des Bismarck-Denkmals, zuletzt konnte er in den Containern am U-Bahnhof Hagenbecks Tierpark übernachten. Auf Englisch erzählt Pastor Sieghard Wilm von der St. Pauli Kirche, wie beeindruckt er von dem Katholiken war, der „seine deutsche Bibel immer dabei hatte, um unsere Sprache zu lernen“.
Die Gäste der Trauerfeier nahmen mit einem Trompetensolo, Trommelmusik, Gesängen in verschiedenen Sprachen Abschied. Manche waren sprachlos. Ein Freund sagte am Grab: „Wir lieben dich, wie du uns geliebt hast. Wir vermissen dich, wie du uns vermissen wirst, aber wir werden weiter kämpfen, auch für dich, Kwame!“
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