Belegte Brötchen einfach wegwerfen?

So frisch und knackig lieben die Verbraucher ihre belegten Brötchen. Doch was passiert mit Ware, die am Abend nicht verkauft wurde? Das Wochenblatt fragte nach. (Foto: rs)
Von Reinhard Schwarz. Wer am frühen Abend belegte Brötchen haben will, schaut häufig auf welke Salatblätter und hochgebogene Käseränder. Doch was tun mit den nicht mehr ganz taufrischen Brötchen? Halber Preis? Wegwerfen? An soziale Einrichtungen geben? Eine Leserin des Elbe Wochenblatts empört sich darüber, dass die Garde-Bäckerei im Toom-Markt Max-Brauer-Allee ihren Mitarbeiterinnen verbot, die belegten Brötchen zum halben Preis zu verkaufen. Stattdessen würden die Brötchen weggeworfen. Ein Frevel angesichts von Notleidenden in Hamburg?
Offenbar gibt es hierauf keine einfache Antwort. „Wir wollen keine minderwertige Ware verkaufen“, erklärte Heiko Trautmann, Verkaufsleiter der Garde-Bäckerei. „Unsere Mitarbeiter belegen die Brötchen laufend frisch.“ Zudem dürfe die Bäckerei ihre übrig gebliebenen Brötchen nicht selbst an soziale Einrichtungen wie die Hamburger Tafel liefern, vielmehr müssten diese kommen und sie abholen.
Doch hier widerspricht die Gesundheitsbehörde: „Generell ist anzumerken, dass es keine gesetzlichen Vorschriften oder Regelungen gibt, wonach Bäcker ihre belegten Brötchen nicht bei der Hamburger Tafel abgeben dürfen“, erklärte Sprecherin Susann Michelmann. Die Bäcker müssten sich lediglich von den sozialen Einrichtungen den Empfang der Waren quittieren lassen.
Doch wollen die Einrichtungen überhaupt die belegten Brötchen? Jein. „Wir bekommen in der Regel keine belegten Brötchen“, sagt Barbara Hauke von der Obdachloseneinrichtung Cafée mit Herz. Aber: „Wir sagen grundsätzlich nicht nein.“ Voraussetzung: Die Brötchen sind frisch und vom selben Tag. Der Grund: „Wir tragen die Verantwortung für die Gesundheit unserer
Gäste.“
Die Hamburger Tafel nimmt belegte Brötchen nur im Ausnahmefall, erklärte der zweite Vorsitzende Achim Müller. Der Grund: Wenn die unverkäuflichen Snacks anfallen, haben die Tafel-Mitarbeiter ihre Touren schon längst beendet: „Unsere Mitarbeiter fahren um 8 Uhr morgens los und holen Brot und Brötchen ohne Belag von den Bäckereien ab.“ Ab Nachmittag werden die Teigwaren an Bedürftige verteilt. Die Tafel könne belegte Brötchen und andere verderbliche Ware nicht über Nacht lagern.

Das Wochenblatt fragte bei Bäckereien und Backshops nach, ob sie Brötchen zum halben Preis anbieten. Das Ergebnis: nur ein selbstständiger Filialist bot seine Brötchen ab 16 Uhr zum halben Preis an: Von Allwörden am Alma Wartenberg Platz.
Die Mitarbeiter von Hansebäcker Junge (ebenfalls Alma-Wartenberg-Platz) betonten, die Brötchen würden immer wieder frisch belegt. Kamps Backstube im Altonaer Bahnhof schicken die nicht verkauften Brötchen zurück, ebenso Cafetiero und Le Crobag (beide Altonaer Bahnhof).
Viele Bäckereien halten den Halber-Preis-Verkauf nicht für praktikabel, weil sich herausstellte, dass die Kunden mit ihrem Einkauf bis zum entsprechenden Zeitpunkt warten und sich dann vor dem Geschäft Schlangen bilden. Weiterhin sei es in Großbetrieben schwierig, halbe Preise buchhalterisch zu verrechnen.
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