Barbara Riekmann: die Frau, die alles schafft

Dank Barbara Riekmanns Traum von einer besseren Schule und der Energie, mit der sie diesen Traum umgesetzt hat, gehört die Max-Brauer-Schule heute zu Deutschlands besten Schulen.
 
Andrea Runge ist die neue Leiterin der Max Brauer Schule. (Foto: pr)

Die Leiterin der Max-Brauer-Schule verabschiedet sich

Am Donnerstag, 24. Mai, wird sie offiziell verabschiedet: Barbara Riekmann (63), seit 1987 Leiterin der Max-Brauer-Schule (MBS), geht in den Ruhestand.
Sie hat nicht nur ihre Schule zu einer der besten Deutschlands gemacht (Deutscher Schulpreis 2006) , sondern Hamburgs Schullandschaft ebenso geprägt wie das Bild, das Pädagogen im In- und Ausland von guter Schule haben. Davon überzeugen sich rund 500 Besucher pro Jahr mit eigenen Augen.
Wer ist diese Frau, die ihren Traum von der idealen Schule über viele Jahrzehnte hinweg nicht nur bewahrt, sondern stetig daran gearbeitet hat, ihn auch zu verwirklichen?
„Woher der Motor kommt, immer Neues anzustoßen? Ich weiß es nicht! Ich kann mir einfach nicht vorstellen, Dinge nicht zu tun, die auf der Hand liegen“, sagt sie. Eine unprätentiöse No-Nonsense-Frau in Jeans und Blazer, zugewandt und lebhaft. Sie fährt fort: „Da ich mich von meiner Biografie her als Gewinnerin fühlte, wollte ich anderen auch die Voraussetzung dafür geben, Gewinner zu werden.“
Barbara Riekmann ist in einer Arbeiterfamilie in der Schanze groß geworden: „Damals in der Vereinsstraße ging außer mir kein einziges Kind ins Gymnasium. Mein Vater war Schiffszimmermann bei Blohm und Voss. Er unterstützte mich, sagte: ‘Da schieb ich eben noch ne extra Schicht.’ Da wurde mir klar, dass Schule ein Privileg, ein Geschenk war.“
Doch plötzlich steht ihr Abi auf der Kippe: Im letzten Schuljahr wird sie schwanger. Der Schulleiter besteht darauf, dass sie an der Schule bleibt, damals keine selbstverständliche Entscheidung. 1969 bringt sie ihre Tochter Bettina zur Welt. „Vorher habe ich geheiratet, Abiprüfungen gemacht, das Abizeugnis bekam ich nach der Geburt.“
Das Studium wurde schnell durchgezogen - es musste Geld verdient werden. „Nebenbei“ wurde ein Kinderladen gegründet. Mit 24 Jahren startete Barbara Riekmann in den Beruf, 39 Jahre später ist Schluss, Schluss mit Zwölf- bis Vierzehnstundentagen, mit einem Leben, das komplett von Schule bestimmt ist.
"Wie sich frei verfügbare, unbegrenzte Zeit anfühlt, das weiß ich nicht. Darauf bin ich extrem gespannt“, sagt sie.
Lena (10), Max (7) und Paula (3) freuen sich schon auf Besuche ihrer Großmutter in Berlin. Mehr Klavier wird sie spielen. Ihr Handicap im Golf verbessern. Vorträge halten.
Und dann meldet sich da noch ein anderer Traum. Wäre Barbara Riekmann nicht Lehrerin geworden, wäre sie in die Entwicklungshilfe gegangen. „Schulen in Afrika mit aufzubauen - das wär was“, sagt sie. Man möchte fast drauf wetten: Das schafft sie auch noch.


Das sagt Barbara Riekmann zum Thema....
... Nachfolgerin:
„Andrea Runge ist eine organisationstüchtige und rechtskundige Frau, kompetent und sehr passend.“
... Zukunft der Stadtteilschulen
„Der Zulauf zu den Gymnasien und Stadtteilschulen verteilt sich nicht gleichmäßig - der Senat verlässt sich da zu sehr auf das freie Spiel der Kräfte.“
... Benachteiligte Kinder
„Die Schulen in sozialen Brennpunkten müssen aussehen wie Paläste, damit wir keine Verlierer produzieren. Das ist ein Risiko-potenzial, was die Demokratiefähigkeit der Bevölkerung angeht. Das muss von ganz oben mit Adleraugen beobachtet werden.“
... Politik
„Ich empfinde es als Verpflichtung, mich einzumischen. Ich war immer parteilos - bin einfach nicht dazu gekommen, mich für eine Partei zu entscheiden. Meine Funktion sehe ich eher in der Politikberatung.“
... Was sie vermissen wird
„Die Kinder - sie immer um mich zu haben, ein Schwätzchen zu halten - das ist ein gutes Gefühl. Und die Kollegen: Ich hatte ein kompetentes und zukunftsorientiertes Kollegium - das war herrlich.“
... Max-Brauer-Schule
„Die MBS läuft, ist hochattraktiv für Eltern. Meine Sorge: dass der räumliche Ausbau nicht erfolgt. Wir haben immer mehr Schüler, aber die Räume bleiben gleich. Im Moment träumen wir von der ‘Learning Bridge’, einem Gebäude, das über die S-Bahn-Gleise hinweg unsere beiden Standorte Daimlerstraße und Bei der-Paul-Gerhard-Kirche verbindet.“
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