Ausgerechnet zum Jubiläum: Frauenmusikzentrum gekündigt

Anne Koenen gehört zum fmz-Team. Die Schlagzeugerin kümmert sich um Buchhaltung und Mitglieder-Betreuung. (Foto: ad)

Vermieter will Teile des Clasenhofs verkaufen.

Von Angela Dietz.
Das Frauenmusikzentrum e.V. (fmz) in Ottensen verliert seine Räume. Der Vermieter hat der mit dem Stadtteil stark verbundenen Kulturinstitution zum 31. März 2013 gekündigt. Der Grund: Er will Teile des Clasenhofes in der Großen Brunnenstraße 63 für knapp eine Million Euro verkaufen. Die Hiobsbotschaft platzt mitten ins große fmz-Jubiläum. Seit 25 Jahren schon ist die bundesweit einmalige Einrichtung Hort weiblichen Musikschaffens.
„Das war ein ziemlicher Schlag“, seufzt fmz-Geschäftsführerin Maria Pallasch. Ohne die Übungsräume steht die Frauenmusikszene ohne Heimat, ohne „Arbeitsplatz“ da – ein undenkbarer Zustand für die Musikerinnen. Die Probenräume sind ausgebucht, die Mitgliederzahlen steigen stetig. „Im fmz proben blutige Anfängerinnen und Profis, Rockbands, Jazzorchester, Singer-Songwriterinnen und Klassikensembles“, berichtet Maria Pallasch, die selbst Gambe spielt. Die Musikerin und Kulturmanagerin deutet den Verkauf und die damit einhergehende Kündigung als voranschreitende „Gentrifizierung“ des Viertels: Sozial Schwache werden verdrängt. „Mit dem fmz muss ein weiterer Teil der vielgepriesenen Kreativität im Stadtteil weichen“, erklärt sie.
Der ersten Aufregung folgen eine ganze Reihe von Aktivitäten. Besonders forsch erscheint die Idee, selbst eine Investorengemeinschaft mit finanzstarken Partnerinnen und Partnern zu bilden, um dem Vermieter ein Angebot machen zu können. Eine andere Variante lautet: Kaufinteressenten finden, die dem fmz gewogen wären. „Wir verbreiten die Idee ganz schnell über unsere Netzwerke“, erläutert Maria Pallasch. Über die Netzwerke erreichen das fmz außerdem etliche Solidaritätsbekundungen, wertvolle Infos und Hinweise.
Auch die Kulturbehörde, die die Einrichtung finanziell fördert, haben fmz-Team und Vorstand um Unterstützung gebeten. „Wir haben mit dem fmz und der Kreativgesellschaft Gespräche aufgenommen“, sagt Kulturbehördensprecher Enno Isermann. „Wir hoffen sehr, dass geeignete Anschlussräume gefunden werden.“ Ob es dann Gelder aus dem Behördentopf für die teure, aber unbedingt notwendige Schallisolierung neuer Räume gibt, ist derzeit noch offen.
 auf anderen WebseitenTwitternSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.