Aus dem Takt

Mit der Haltestelle „Schnackenburgallee (Mitte)“ hat die Hochbahn zu Beginn des Winterfahrplans 2015/2016 einen zusätzlichen Bus-Stop in der Nähe der Flüchtlingsunterkunft eingerichtet. Foto: CVS

Nur ein Bus pro Stunde: Der 180er fährt selten in die Flüchtlingsunterkunft in der Schnackenburgallee.

Von Christopher von Savigny. Tahir (28) ist viel unterwegs: Dreimal wöchentlich fährt er nach Altona zum Deutschunterricht. Außerdem engagiert er sich ehrenamtlich, organisiert Treffen und Konferenzen. Im Grunde ist der junge Afghane, der in seiner Heimar Informatik studiert hat, ständig auf Achse. „Ich mag es auch, mir die Stadt anzusehen, oder fahre zum Beispiel in die Bücherhallen am Hauptbahnhof, um zu lesen“, erzählt er auf Englisch.
Tahir lebt seit fünf Monaten in der Erstaufnahmeunterkunft (ZEA) in der Schnackenburgallee. Das Problem: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die Einrichtung mehr schlecht als recht zu erreichen. Zwar stellt die Linie 180 eine direkte Verbindung zu den S-Bahnhöfen Holstenstraße oder Stellingen dar. Aber die Busse fahren viel zu selten: vormittags alle 60 Minuten, nachmittags alle 20 bis 30 Minuten. Am Wochenende gibt es praktisch keine Fahrten. Nur frühmorgens (vor 7 Uhr) verkehrt schon mal alle zehn Minuten ein Bus.
Trotzdem viel zu wenig, findet Tahir. „Oft ist es an der Haltestelle so voll, dass gar nicht alle mitkommen. Viele gehen deshalb zu Fuß zur S-Bahn Stellingen, was etwa 20 Minuten dauert. Besonders für Frauen, Kinder und ältere Leute ist das zum Teil sehr anstrengend.“ Zusätzliche Brisanz erhält das Thema dadurch, dass ZEA-Bewohner seit Anfang Februar eine verbindliche HVV-Monatskarte kaufen müssen.

Fahrplan aus den 1980er-Jahren?

Die Linie 180 wurde Anfang der 1980er-Jahre eingerichtet, um das Bahrenfelder Indus-trie- und Gewerbegebiet anzuschließen. Auf die Unterkunftsbewohner in der Schnackenburgallee – aktuell etwa 2.400 Personen – ist sie nicht eingestellt. Daher hatten sich im vergangenen Herbst sowohl die CDU Eimsbüttel als auch die Linken in Altona für eine Erhöhung der Taktfrequenz eingesetzt. „Es ist unser Anliegen, dass die Flüchtlinge gewisse Mobilitätsmöglichkeiten haben“, sagt der Linke-Fraktionsvorsitzende Robert Jarowoy.
Was sagt die Hamburger Hochbahn zum Thema? „Die Auslastung der Linie 180 wird aktuell von unserer Angebotsplanung untersucht“, sagt Sprecherin Christina Becker. „Es werden derzeit die genauen Fahrgastzahlen zu verschiedenen Zeitpunkten erhoben, um anschließend in Abstimmung mit dem HVV fundiert über eine Angebotsanpassung entscheiden zu können.“
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Angela Banerjee aus Altona | 04.02.2016 | 21:15  
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