Aus dem Amtsgericht Altona: Erst verprügelt, dann verlobt

Serkan G. hat seine damalige Freundin und jetzige Verlobte schwer misshandelt.

25-jähriger Angeklagter wegen schwerer Körperverletzung verurteilt – sein Opfer erwartet sein Baby.

Miriam A., 19 Jahre jung, ist hochschwanger. Das Baby soll am 30. Juni auf die Welt kommen. Vater ihres Kindes ist ihr Verlobter, Serkan G. (25) - als Angeklagter vor Gericht. Er soll Miriam A. letztes Jahr brutal misshandelt haben. Heute sagt sie mit sanftem Lächeln: „Wir sind verliebt und sehr glücklich“.
Im vergangenen Sommer hat Serkan G. sie nach allen Regeln der Kunst gefoltert. Hat sie an einen Stuhl gefesselt und mit einem Ladekabel, in das er Knoten gebunden hatte, ausgepeitscht, anschließend Parfüm in ihre Wunden gesprüht.
Schwarz und blau geprügelt ist Miriam A. damals barfuß vom Balkon gesprungen und hat auf der Straße die nächstbeste Frau um Hilfe angefleht. Diese sagt jetzt als Zeugin aus. Claudia S. hat Miriam A. damals zu sich in die Wohnung geholt. „Sie hat gezittert, war völlig außer sich“, berichtet sie. „Sie hat mir ihren Körper gezeigt - sowas habe ich zum ersten Mal gesehen; ich habe Gänsehaut gekriegt.“
Eine Rechtsmedizinerin legt Fotos vor: von Striemen, Hautabschürfungen, Hämatomen, Spuren von Gürteln, Kabeln und Faustschlägen.
Der Angeklagte sagt während der ganzen Verhandlung kein Wort, knetet ab und zu seine im Schoß verschränkten Hände mit kurzen, pummeligen Fingern. Sein Glück: Seine Verlobte macht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch - sie sagt vor Gericht nicht aus. Nichts von dem, was sie der Polizei oder der Rechtsmedizinerin gesagt hat, darf verwendet werden.
G.’s Rechtsanwalt plädiert deshalb auf Freispruch. Es sei ja alles nur Hörensagen. Doch der Richter hält dagegen, es bestehe kein Zweifel daran, wer Miriam A. „aufs Übelste zugerichtet“ habe. Serkan G. bekommt ein Jahr und zehn Monate auf Bewährung und muss 150 Stunden gemeinnützige Arbeit ableisten. Bestraft wird er nicht nur für schwere Körperverletzung, sondern auch dafür, dass er ohne Waffenschein eine supermoderne teure Feuerwaffe, eine Glock 22, besaß.
Der Angeklagte, Hartz-IV-Empfänger, fährt in einem Siebener-BMW nach Hause. Vor seiner Haustür parkt ein nagelneuer silberner Mercedes. Der Wagen, den die Polizei im Zuge der Ermittlungen gegen G. durchsucht hat, war ein VW Phaeton.
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Abmelden wollte ich aus Wilhelmsburg | 11.05.2012 | 13:40  
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