Aus dem Altonaer Amtsgericht

„Natürlich habe ich mich gewehrt - ich wusste ja gar nicht, was da passierte. Und ich wollte deutlich machen, dass ich keine Luft mehr bekam!“ Karsten W. ist durchtrainiert - aber gegen die Security Männer beim Depeche Mode Konzert hatte er keine Chance. Foto: ch

Gewürgt und getreten - Verfahren gegen Security-Männer eingestellt

Von Christiane Handke.
Von drei Security Mitarbeitern auf einem Depeche-Mode Konzert in der Imtech -Arena gewürgt, geprügelt, getreten – und jetzt im Amtsgericht Altona von den Rechtsanwälten der drei Angeklagten in die Mangel genommen. Der Kölner Karsten W. wird Hamburg wohl nicht in bester Erinnerung behalten.
Aber zurück auf Anfang: Ein Jahr ist es her, da reiste Karsten W. aus Köln nach Hamburg zu einem Depeche Mode Konzert mit Freunden in der Imtech Arena. Dort ging er mit seinem Kumpel los, Bier für die ganze Gruppe zu holen. Verlor seinen Freund und versuchte dann, sich mit einem Tablett mit fünf halben Litern Bier durch die Menge zurück zu seinem Platz zu schlängeln. Auf dem Weg geriet er einem anderen Konzertbesucher ins Gehege. Becher kippten, Bier spritzte - es kam zu einem Wortgefecht. Plötzlich waren die Security Männer da: packten W., zerrten ihn über ein Trenngitter, fixierten ihn, würgten ihn, bis ihm schwarz vor Augen wurde, knallten ihn auf den Fußboden, stellten ihm einen Fuß aufs Gesicht, schleiften ihn dann an Händen und Füßen über den Boden. Die Folge: Gesicht aufgeschürft, Ohrenschmerzen, Sprach- und Hörprobleme, blaue Flecken überall, Schock. An vieles kann er sicht nicht mehr klar erinnern, sagt W. dem Richter.
Dafür erinnern sich die Angeklagten – drei Schränke, einer massiver als der andere – um so besser. Und schildern alles ganz anders, sich gegenseitig bestätigend und miteinander völlig übereinstimmend. Karsten W. habe Stress gemacht. Und sie hätten nur ihr Hausrecht ausgeübt. Und Fuß aufs Gesicht würden sie nie tun.
Den dreien stehen drei Rechtsanwälte zur Seite. Die wollen auch zu Wort kommen, stellen dem Zeugen bohrende Fragen, bis Richter und Staatsanwältin dem ein Ende setzen: „Das hat doch hier gar nichts zu sagen.“
Jeder im Saal weiß: Die Lage ist sonnenklar. Karsten W. hat keine Zeugen. Wenn einer sagt, es war so, und drei sagen, es war anders, dann hat der eine keine Chance. Das Verfahren wird eingestellt. Immerhin: der Richter erreicht, dass die Drei Karsten W. 400 Euro zahlen. Schließlich sieht man auf dem Foto deutlich einen Schuhabdruck in seinem Gesicht. „Und den hat er sich sicher nicht aufgeschminkt“, bemerkt die Staatsanwältin süffisant.
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