Aus dem Altonaer Amtsgericht: 2.550 Euro teurer Besuch im Fußballstadion

Ganz schön doofe Idee: Florian D. weiß selbst nicht genau, was ihn geritten hat, einen Polenböller in der HSV-Imtech-Arena hochgehen zu lassen. (Foto: pr)

Eine Ohrfeige und ein Böllerwurf:Fußballfan verurteilt.

Im Altonaer Amtsgericht ist die Anklagebank keine Bank, sondern ein schlichter Stuhl, der genau so in jedem Büroraum stehen könnte. Darauf sitzt Florian D. (23). Typ: gutmütiger Bär, der keiner Fliege was zu Leide tun kann. Aber die Kombination von Fußball und Bier macht es möglich, dass auch ein eher gemütlicher Zeitgenosse sträflichen Unsinn macht.
D. soll anlässlich des Fußballspiels HSV gegen All-Stars Zidane am 13. Dezember letzten Jahres zwei Straftaten begangen haben: Erst soll er einem Sicherheitsmitarbeiter eine Ohrfeige verpasst und eine Stunde später beim Verlassen der Arena einen Polenböller gezündet haben. Jetzt hat er eine Anklage wegen Körperverletzung und eine zweite wegen Verstoßes gegen das Sprenggesetz am Hals.
Florian D. ist ohne Rechtsanwalt erschienen. Für ihn ist die Sache klar: „Ich habe tatsächlich einen Böller gezündet - aber geschlagen habe ich niemanden. Ich schlage keine Menschen.“
Richter Dr. Olaf Beier fragt: „Was hat sie dazu gebracht, den Böller zu zünden?“ Der Angeklagte: „Da gabs keinen besonderen Grund, ich hab den einfach angezündet und weggeworfen.“ Zwei, drei Bier hatte er intus, aber alkoholisiert? Nee.
Der Geohrfeigte tritt als Zeuge auf. Simon P. (20), ehrenamtlicher ASB-Sanitäter. Er ist nervös und wird im Laufe seiner Aussage immer nervöser, zupft an der Kapuze seines Sweatshirts herum und spielt den Schlag, den er damals bekommen hat, herunter. „Das war eine kleine Backpfeife, die nicht tragisch war.“ „Lässig“ habe er darauf reagiert, sei einfach weggegangen. Erst als später der Böller explodierte, habe er D. an sich vorbeigehen sehen und erkannt: Das ist der Mann, der mir eine runtergehauen hat.
Ganz genau wird nicht klar, wo im Stadion die Szene mit der Ohrfeige sich abgespielt hat. Welcher Block? Oben oder unten? Der Angeklagte behauptet: Ich war nie dort, wo das passiert sein soll. Doch der Zeuge ist sich „zu knapp 100 Prozent sicher“: Florian D. ist der Täter.
Der Richter glaubt Simon P.. Er nutzt die Gelegenheit, rügt „Fans, die sich nicht benehmen können: Irgendwann müssen die Spiele ohne Fans stattfinden - das verdanken wir dann solchen Leuten wie Ihnen!“ Florian D. wird wegen beider Anklagepunkte zu insgesamt 2.550 Euro verurteilt.
Gegen die Verurteilung wegen Körperverletzung will er sich wehren: „Ich hab den nicht geschlagen. Mehr gibts dazu nicht zu sagen.“
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