Anders Wirtschaften - Lokale Ökonomie

Electrolux Gelände
 
sozialer Ort
 
unbezahlbare Werte
 
Electrolux
Das derzeitige Wirtschaftssystem ist bankrott. Es hat keine Lösungen anzubieten. Viele Menschen verspüren eine Unruhe und Ratlosigkeit. Angesichts der überwältigenden Herausforderungen vor denen die Menschheit steht, reagieren verständlicherweise viele Menschen ängstlich. Sie fragen: Was soll ich allein denn tun?
Doch wir sind nicht allein. Noch nie gab es so viele Menschen auf der Welt. Sie alle können etwas Wertvolles beitragen.
Die Zukunft liegt darin, etwas beizutragen, zu teilen. In Hamburg Altona wird dies im Arbeitskreis Lokale Ökonomie umgesetzt. Das Herzstück der Projektegemeinschaft ist der Umsonstladen. Der Hamburger Umsonstladen war das erste Projekt dieser Art in Deutschland. Er wurde 1999 gegründet mit damals einem kleinen Raum in der Werkstatt 3. Inzwischen gehören zum Arbeitskreis Lokale Ökonomie noch eine Fahrradwerkstatt, ein Kleinmöbellager, eine Reparaturwerkstatt und eine Freie Uni. Relativ neu ist ein Saatgut Projekt. Einmal im Jahr machen wir ein großes Umsonstfest.

Viele Menschen stellen fest, dass ihre Wohnung überquillt vor nützlichen Dingen, für die sie selber keine Verwendung haben. Sie möchten sie nicht wegwerfen. Gleichzeitig möchten sie sich sicher sein, dass mit ihren Dingen gut umgegangen wird. Wir alle haben schmerzhafte Erfahrungen mit mangelnder Wertschätzung gemacht. Daraus ist ein Misstrauen entstanden. Man behält die Dinge lieber für sich als sie weiterzugeben an Menschen, die sie dringend brauchen können. Das ist verständlich. Doch werden wir ohnehin früher oder später gezwungen sein, diese Haltung aufzugeben, warum nicht gleich jetzt?

Viele halten den Umsonstladen für ein karitatives Projekt, aber das ist er nicht. Er ist eingebunden in eine Projektegemeinschaft des Gebens und Nehmens. Zu uns kommen sehr unterschiedliche Menschen. Wir fragen nicht, ob sie bedürftig sind und lassen uns das durch einen vermeintlichen Ausweis bestätigen. Mal abgesehen davon, dass die meisten Menschen eine solche Kontrolle als demütigend empfinden: Wie kann ich an einem Ausweis erkennen, welche Bedürfnisse ein Mensch hat? Manche Menschen geben Ihre Dinge. Dies sind oft Menschen, die berufstätig sind und bei denen sich überflüssige Dinge ansammeln. Dann kommen Menschen, die schenken uns ihre Zeit. Sie kommen hierher und scannen die Regale ab. Welche Dinge können weiterverwertet werden? Was kann man Nützliches daraus machen? Durch sie wird der Umsonstladen auch ein sozialer Ort, der Menschen dabei hilft aus der Vereinzelung zu kommen.

Die Menschen, die ihre Zeit zusammenhalten müssen können sind durch die beruflichen Anforderungen manchmal derart absorbiert, dass sie nicht die Muße finden zu überlegen, ob die Dinge bei uns am richtigen Ort sind. Deshalb könnten wir Unterstützung gebrauchen von Menschen, die ihre Zeit schenken können, um die Dinge dorthin zu bringen, wo sie gebraucht werden, so wäre es z.B. sinnvoll wissenschaftliche Literatur an die Uni zu bringen. Niemand vermutet sie bei uns im Laden.

Leider ist auch in unserer Projektgemeinschaft eine Haltung zu finden, dass Menschen, die viel mitgenommen haben, auch viel spenden müssen, dann kann man auch gleich sagen, sie sollen das kaufen. Ich wünsche mir an dieser Stelle mehr Wohlwollen.

Mein persönlicher Wunsch in der Projektgemeinschaft ist es, sich rechtzeitig um kommende Nahrungsmittelengpässe zu kümmern. Das möchte ich gern hier um die Ecke im Suttnerpark. Einige Menschen in der unmittelbaren Umgebung des Parks und auch von anderen Orten, möchten dort einen Gemeinschaftsgarten anlegen. Da gibt es jetzt schon verschiedene Projekte in Hamburg und ich hoffe, dass ein oder mehrere Gemeinschaftsgärten bald ein zentraler Bestandteil der Projektgemeinschaft sind. Ich hätte mir gewünscht, dass noch mehr Leute sich bei der Gartenidee einbringen. Zwar wird der Garten in der Stresemannstraße liebevoll von einer Frau bewirtschaftet. Aber es ist ein reiner Ziergarten. Lokale Ökonomie heißt auch, dass wir unsere eigenen Nahrungsmittel hier vor Ort produzieren, ohne lange Transportwege, um gut mit unseren endlichen Ressourcen zu haushalten.

Die Menschen am Suttnerpark haben die Vereinzelung durch das gemeinsame Engagement gegen die Moorburgtrasse überwunden. Es sind Menschen, die die Initiative für ihre Umgebung selbst ergriffen haben. Der Freundeskreis Suttnerpark würde es begrüßen, wenn auf einen zusätzlichen Supermarkt verzichtet wird. Es gibt bereits einen Aldi und einen Edeka in unmittelbarer Nähe. Was gebraucht wird ist Unterstützung bei der Pflege des Parks. Ich persönlich würde auch gern das alte Gebäude erhalten. Für ein kooperatives Stadtteilzentrum, in dem auch Menschen wohnen können, wäre der Schnitt gut geeignet. Natürlich muss man überprüfen, ob man es noch renovieren kann. Alte Gebäude zu erhalten, bedeutet auch Zement einzusparen. Eine relevante Größe der CO2-Emissionen.

Was bedeutet "suffiziente Lebensweise"

Dieser Begriff wird von Transition Town verwendet. Er bedeutet, dass wir uns auf das wirklich Notwendige im Leben besinnen und Ballast loslassen. Unser Problem ist nicht der Mangel, sondern das Zuviel. Dennoch tragen eine Reihe von Menschen, insbesondere jene, die einen Krieg miterlebt haben, die Überzeugung des Mangels in sich.

Man kann viel weniger Dinge kaufen oder das Überschüssige teilen. Zum Geburtstag zum Beispiel kann man auch für jemanden ein Essen kochen oder ins Kino gehen. Warum nicht ein Buch mit einem Stempel des Umsonstladens verschenken? Die wichtigsten Dinge im Leben sind unbezahlbar. Wenn man die Altenheime ansieht muss man feststellen, dass es den Alten in der Regel nicht an Essen mangelt, sondern an menschlicher Verbundenheit. Sie brauchen Menschen, die ihre Zeit schenken können mehr als alles andere.

Mein Wunsch ist es, dass der Arbeitskreis noch mehr Unterstützung von Menschen bekommt, die viel Zeit haben. Die Fahrradwerkstatt gibt gerne Auskunft darüber, in welchen Bereichen Hilfe benötigt wird.

Manche Prozesse funktionieren im Internet besser. Die Internetplattform "niriu", bietet allen Menschen in Hamburg die Möglichkeit, dort Dinge oder Fähigkeiten zu geben und zu nehmen. http://niriu.com/

Ein sozialer Ort

Die Menschen, die zu uns kommen sind so unterschiedlich, wie man sich nur vorstellen kann. Vom Gymnasiallehrer über einen Junkie im Entzug bis zur türkischen Hausfrau. Dieser soziale Ort ist für alle Menschen die sich an die gemeinsam ausgehandelten Regeln halten möchten. Die Vorstellung, dass nur politisch links stehende Jugendliche weggeworfene Nahrungsmittel aus den Lebensmittelcontainern der Supermärkte holen ist falsch. Regelmäßig kommt zu uns eine türkische Frau mit einem Kopftuch und bringt uns Nahrungsmittel, die sie vorher säuberlich sortiert und ggf. gereinigt hat.
Im Mittelpunkt steht ein anderes Wirtschaften. Von diesem Verständnis ausgehend führt das automatisch auch zu anderen sozialen Beziehungen. Sich eben nicht einfach mal schnell etwas kaufen, sondern darauf einlassen, Dinge auszuhandeln und zu fragen. z.B. den Nachbarn, wenn man etwas braucht oder zuviel eingekauft oder gekocht hat. Ohne Geld muss man um etwas bitten und gucken, wie man die eigenen Bedürfnisse mit den Bedürfnissen anderer Leute in Einklang bringt. Angesichts von Ressourcenknappheit und der Gefahr von Kriegen um Wasser, Öl, Kohle, seltene Erden ist dieses Lernen von immenser Bedeutung.
Wenn man genug Geld hat, braucht man sich diese Fragen nicht zu stellen. Der Wunsch nach Geld wird häufig beschrieben, als Wunsch nach "Unabhängigkeit". Das ist sicherlich wichtig für Menschen, die großen Schmerz in sich tragen. Unter erdrückenden Bedingungen ist Unabhängigkeit tatsächlich für viele Menschen überlebensnotwendig. Letztendlich ist jedoch für alle genug da.
So wie die Gesellschaft funktioniert, so funktioniert es weitestgehend auch im Arbeitskreis. Er ist ja keine Insel und die Aktiven können es gar nicht leisten, hier ein komplettes Gegenmodell aufzuziehen. So eine gewisse Trägheit ist auch den Aktiven des Arbeitskreises eigen.
Die Projektegemeinschaft ist auch anziehend für Menschen, die auf dem kranken Planeten ihre innere Klarheit und Stärke verloren haben. Sie kommen zu uns weil sie suchen. Die Suchtprobleme, die sie mitbringen, machen die Kooperation manchmal so schwierig, dass wir uns trennen müssen.
Wir haben die Regelung, dass wir uns erstmal ein halbes Jahr beschnuppern und gucken, ob wir miteinander klarkommen.

Der Arbeitskreis Lokale Ökonomie und das Netzwerk "Recht auf Stadt"

Im Moment ist das größte Problem des Arbeitskreises die Mieterhöhung, die wir von der SAGA bekommen haben. Und überhaupt das Thema „Gentrifizierung". Das betrifft uns ganz konkret, weil wir unser Spendenaufkommen nicht sehr viel erhöhen können. Wenn es weiterhin so laufen soll, dass wir die Leute darum bitten, eine Spende zu geben, heißt das immer, dass das freiwillig ist. Und wenn wir das weiter so handhaben wollen, ohne Druck auf die Leute auszuüben, dann ist es unter Umständen irgendwann schwierig. Wir haben im Moment noch einen kleinen Puffer, aber wir müssen uns jetzt nach anderen Möglichkeiten umsehen. Die SAGA wird uns hier irgendwann rauskicken wollen. Mein persönlicher Wunsch ist, dass wir uns direkt am Suttnerpark ansiedeln können.
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Hilmar Kunath aus Altona | 28.03.2012 | 22:00  
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