Altonaer Meridian von Schutt und Unrat befreit

Bürgerreporter Michael Borkowski befreit den Altonaer Meridian von Schutt und Unrat.
 
Der Altonaer Meridian ist vor lauter Schutt kaum zu erkennen.
Hamburg: Schleepark |

Bürgerreporter greift zu Schaufel und Besen.

Neben dem S-Bahn-Eingang Behnstraße befinden sich Grabsteine von Altonaern, die sehr bedeutend waren. Einem von ihnen zu Ehren wurde sogar ein Mondkrater benannt. Es handelt sich hierbei um den Astronomen Heinrich Christian Schumacher, der einst hinter seinem Hause, an der Ecke Palmaille / Van-Der-Smissen-Allee, die Sternwarte Altona einrichtete.
Wenn andere zeitgleich auch Ähnliches getan haben könnten, ist er in jedem Falle der erste, der einen Nullmeridian als Fixierpunkt gesetzt hat - und das in Altona. Ein obelisk-ähnlicher Grabstein, der innerhalb der letzten Jahrzehnte seine ehemals schwarze Polierung und seine goldgefasste Inschrift verloren hat, unter anderen wahrscheinlich auch durch Hochdruckreinigung, befindet sich neben dem S-Bahn Eingangsgebäude. Es handelt sich um das Familiengrab der Familie Schumacher. Das Grab musste in den 1970er Jahren verlagert werden, um den S-Bahn-Bau auf dem entwidmeten Heilig-Geist-Friedhof zu ermöglichen.
Seit dieser Zeit befindet sich der Nullmeridian, eingefasst in eine im Boden eingelassene Granitplatte, am Eingangsgebäude. Fest an der Außenwand des Gebäudes installiert, mit Informationen über Schumachers Wirken, befindet sich in Augenhöhe eine Gedenktafel.
Jeden Tag gehen viele Leute daran vorbei, und würde man zehn von Ihnen fragen, ob sie die Gedenktafel gesehen oder auch mal gelesen haben, würden bestimmt acht von Ihnen antworten: „Weiß ich nicht“, und die anderen zwei: “Hab ich schon mal irgendwie was von gehört“. Die Gedenktafel wird zwischen den orange-gelben Kacheln einfach nicht wahrgenommen, es sei denn jemand weist darauf hin. Hinzu kommt: Wer das S-Bahngebäude besucht, hat es meist eilig, will die S-Bahn bekommen oder schnell nach Feierabend den Heimweg finden.
Heute ist das S-Bahn-Gebäude baufällig und soll auch renoviert werden. Ein Teil der Kacheln am Denkmal platzt von der Wand, weil sich dahinter Feuchtigkeit bildet. Schutt und abgefallene Kacheln sammeln sich genau auf den am Boden eingelassenen Nullmeridian. Nebenher wird nun auch anderer Kleinmüll darauf entsorgt. Und bei Regen entsteht genau an dieser Stelle eine Pfütze, weil die Granitplatte an einer Seite tiefer liegt. Vom Nullmeridian ist dann kaum noch etwas zu erkennen (ALTONAER MERIDIAN – 0S 30` 25“ ÖSTLICH PARIS).
Es wäre traurig, wenn er weiter so in diesen unbeachteten Zustand bleiben würde. Wenigsten sollte sich jemand darum kümmern, dass der Meridian von Schutt und Müll befreit bleibt, damit Besucher, Anwohner und Touristen überhaupt erkennen können, dass hier an dieser Stelle an einem berühmten Altonaer erinnert werden soll. Leider hat auch die Gedenktafel gelitten, ihre Inschrift sieht nicht mehr so sehenswert aus und lockt bestimmt kaum noch jemanden an.
Wolfgang Vacano vom Altonaer-Stadtarchiv dazu:“ Seit Jahren bemüht sich das Altonaer Stadtarchiv um eine deutlichere Sichtbarmachung sowohl des Grabsteins der Familie Schumacher als auch um eine bessere Erhaltung des Nullmeridians. Ich habe vor anderthalb Jahren eine umfangreiche Säuberung des Grabsteins vorgenommen, um anschließend feststellen zu können, welche Schäden am Grabstein vorhanden sind."
Um eine Sanierung der zahlreichen Schäden durchführen zu können, werden vom Altonaer-Stadtarchiv Sponsoren gesucht. Wolfgang Vacanos Wunsch ist auch, Gedenktafel und Nullmeridian vor dem Grab von Schumacher im Boden einzulassen, damit beides besser sichtbar wird.
Ich fände eine Informationstafel im Park schön, ähnlich wie die an der Königstraße, die wunderbar das ehemalige alte Altonaer Rathaus erklärt. Hier könnten die bedeutenden Altonaer aufgezählt und erklärt werden, sowie die Bedeutung des Heilig-Geist-Kirchhofs (heute Schleepark) und - ganz wichtig!- das Bismarck-Denkmal an der Königstraße (das von vielen mit Kaiser Wilhelm verwechselt wird). So ist alles in einem Gesamtpaket zu erlesen, und eine Informationstafel würde bestimmt Besucher und Anwohner neugierig machen.
Die bedeutenden Altonaer bekommen dann wieder ein wenig mehr Beachtung. Welcher Stadtteil kann schon einen Nullmeridian vorweisen!
Nachdem ich diesen Artikel geschrieben habe, habe ich mir Handfeger und Schaufel geschnappt und habe so gut wie möglich den Nullmeridian vom Schutt befreit.
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