Altonaer helfen nach Silvester-Brand

Einsatz in der Silvesternacht. Feuerwehr und Polizei brachten 91 Bewohner des Pflegeheims in der Behringstraße in Sicherheit. Foto: JOTO

Nachbarn in der Behringstraße kümmern sich spontan um 91 Senioren, Lob für Polizei und Feuerwehr

Sie feierten den Jahreswechsel mit 15 Senioren, als Nachbarn von draußen laut an die Scheibe klopften. „Sie haben uns gewarnt, dass es im Dachstuhl des Hauses brennt. Da war es 23.15 Uhr, und wir saßen im Aufenthaltsraum im Parterre“, sagt Jürgen Wendland (74). Durch die Hilfe der Anwohner konnten die agileren Bewohner die Senioren in den höher gelegenen Wohnungen, von denen einige nicht so gut zu Fuß sind, warnen. „Wir sind sofort die Treppen raufgeflitzt“, erinnert sich Wendland.

„Wir haben ganz viel Glück gehabt!“

Die rasch eintreffende Feuerwehr begann, die Bewohner aus den oberen Stockwerken in der Behringstraße 40 zu evakuieren. Die Brandursache? „Oben ist eine Rakete durch eine Fensterscheibe geflogen und in einer Wohnung explodiert“, so Wendland.
Zwei Bewohner der oberen Wohnungen kamen mit Rauchvergiftungen in die Asklepios Klinik Altona, ein weiterer erlitt einen Asthmaanfall. Sieben Wohnungen sind unbewohnbar.
38 Senioren wurden in einem Großraumbus der Feuerwehr betreut, 50 weitere verbrachten die Nacht in zwei HVV-Bussen. „Dort haben sich viele Nachbarn rührend um uns gekümmert. Auch die Mitarbeiter vom Stadtcafé, wo eine große Silvesterparty stattfand, brachten Kaffee und Berliner. Sowas Nettes“, bedankt sich Wendland, der mit seiner Ehefrau am Neujahrsmorgen um 6.15 Uhr in seine Wohnung zurück durfte: „Wir haben ganz viel Glück gehabt!“


Weitere Stimmen von Betroffenen

Annelie Senkpiel: „Das Team vom Stadtcafe (Hundertwasser) neben der Seniorenwohnanlage hat sich liebevoll um uns gekümmert, in dem sie Tabletts mit Berlinern und mehrere Kannen Kaffee in die beiden HVV-Busse, die als Notunterkunft dienten, gebracht haben. Auch die Toilettenbenutzung wurde gestattet, obwohl im Café eine große Silvesterparty stattfand und somit das Team voll ausgelastet war. Es wurde auch geduldet, dass mein Mann und ich und ein paar Nachbarn uns zu den feiernden Gästen setzen durften.“

Bärbel Neudecker: „Es ist glücklicherweise alles gut gelaufen. Dafür möchte ich an dieser Stelle – sicher auch im Namen anderer Bewohner – Danke sagen für die fürsorgliche Betreuung durch Feuerwehr und Polizei, die immer wieder Informationen brachten, uns evakuierten und auch zurückbrachten. Ich war mit einer Gruppe in der Asklepios-Klinik im Wartebereich untergebracht. Auch dort wurden wir vorzüglich informiert und vom dortigen Personal und der Feuerwehr immer wieder nach unserem Wohlbefinden befragt. Diese berufliche Fürsorge wurde aber auch vor Ort unterstützt von vielen jungen Helfern, die wohl aus der Nachbarschaft kamen. Sie halfen, gebrechliche Leute auszuquartieren, brachten Stühle und Decken oder Kissen, um die wartenden Leute in nur spärlicher Nachtbekleidung zu unterstützen. Das ist mir und anderen sehr angenehm aufgefallen und verdient ein ausdrückliches Lob sozialen Handelns.“
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