Altonaer Hafenverein: Aus nach 139 Jahren

Oben: Das waren schöne Zeiten - in der Mitte die Herren des Altonaer Hafenvereins in der für sie typischen „Dienstkleidung“ auf dem Renntag der Bürgervereine der Trabrennbahn Bahrenfeld. 2.v.r Hans-Rudolf Ebert, 3.v.r. Heinz Augustin. (Foto: pr)

Es fand sich kein neuer Erster Vorsitzender - Verein aufgelöst.

Den Altonaer Hafenverein von 1875 gibt es nicht mehr. Der Verein, der im kommenden Jahr seinen 140. Gründungstag gefeiert hätte, wurde auf seiner letzten Mitgliederversammlung am 3. April aufgelöst.
Dahinter steckt eine tragische Geschichte: Mit viel Schwung hatte im vorigen Jahr Hans-Rudolf Ebert (68) sein Amt als Erster Vorsitzender des Vereins angetreten. Wie auch sein langjähriger Vorgänger Heinz Augustin, war Ebert Hafenverein-Urgestein. Knapp ein Jahr später musste er das Amt plötzlich zur Verfügung stellen. Das Schicksal hatte mit einer lebensbedrohlichen Krankheit zugeschlagen, und Ebert war kräftemäßig nicht mehr in der Lage den Hafenverein so engagiert zu leiten, wie er sich das vorgenommen hatte.
Die Suche nach einem Nachfolger – ein Schlag ins Wasser. Nicht einer stellte sich zur Verfügung. Das Ende des Vereins war gekommen.
Dabei hatte Hans-Rudolf Ebert sich vorgenommen, den Verein zu verjüngen und zu modernisieren und so dem Rückgang der Mitgliedszahlen entgegenzuwirken. Sein ers-ter Coup war, endlich Frauen als Mitglieder aufzunehmen. Über diesen Schritt war im Verein schon seit über zehn Jahren diskutiert worden. Doch waren auch jetzt noch die Strukturen innerhalb des Vereins verknöcherter als Ebert geahnt hatte: Für die drei Frauen, die im vergangenen Sommer eintraten, traten drei Herren unter Protest aus.
Als „befreiendes Gefühl“ hat Hans-Rudolf Ebert die Auflösung des Vereins empfunden. Nicht nur, weil er nun alle seine Kräfte im Kampf gegen die Krankheit bündeln kann. Sondern auch, weil er erkannt hat: „Das Ende des Vereins war gekommen. Es ist vorbei.“
Das gesamte historische Material des Vereins – handschriftliche Protokolle aus zwei Jahrhunderten, Fotoalben und Filme – übernimmt das Altonaer Stadtarchiv. Die Uniformen und Kostüme bekommt das plattdeutsche Theater an der Schule Regerstraße. Das Vereinskapital, rund 5.000 Euro, wird an die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchtiger, das Kinderhospiz Sternenbrücke und die Drogenhilfeeinrichtung Park-In verteilt.

Info: Altonaer Hafen-Verein
Als der Altonaer Hafen-Verein 1875 gegründet wurde, standen handfeste wirtschaftliche Interessen im Mittelpunkt: Reeder, Kaufleute und Handwerker wollten mit dem Verein die Wirtschaft und den Hafen Altona unterstützen.
Zweck des Vereins war zuletzt, sich für kommunale Belange in der Hafengegend Altonas und in den Elbvororten einzusetzen. Außerdem engagierten sich die Mitglieder ehrenamtlich und mit Spenden in der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger und im Verein Park-In, einer Kontakt- und Beratungsstelle für Menschen mit Suchtproblemen.
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