Altona hat jetzt eine First Lady

Am Montag wurde die neue Bezirksamtsleiterin offiziell in ihr Amt eingeführt - gewählt worden war sie im Juni.

Dr. Liane Melzer, Altonas erste Bezirksamtsleiterin, tritt ihr Amt an.

Das Chefzimmer in Altonas Weißem Rathaus ist wieder besetzt: Am Montag wurde Dr. Liane Melzer, bisher Senatorin in Rostock, als Altonas neue Bezirksamtsleiterin und als erste Frau auf diesem Posten in ihr Amt eingeführt.
Gewählt wurde sie im Juni von der Mehrheit der Grünen und der SPD in der Bezirksversammlung Altona. Die Grünen begrüßen vor allem, dass das Bezirksamt jetzt von einer Frau geleitet wird. Eva Botzenhart, stellvertretende Fraktionsvorsitzende: „Prima, dass durch sie Altona der einzige Hamburger Bezirk mit einer Frau an der Spitze ist.“
Allerdings ist es ein offenes Geheimnis, dass mehrere Mitglieder der grünen Fraktion nur mit zusammengebissenen Zähnen um des Koalitionsfriedens willen für Melzer gestimmt haben. Denn durch diese Wahl sind Hamburgs sieben Bezirke einfarbig rot geworden: Es gibt keinen einzigen Bezirksamtsleiter mehr ohne SPD-Parteibuch. Gut für Bürgermeister Olaf Scholz, der seinen strengen Sparkurs bis unten „durchregieren“ kann, ohne auf öffentlich hörbaren Widerstand oder Widerspruch zu stoßen. Den lieferte zuletzt nur noch der Bezirk Altona, weil Melzers Vorgänger, der parteilose Jürgen Warmke-Rose, regelmäßig laut auf die Missstände und Gefahren hinwies, die das Sparen in und an den Bezirken auslöste.
Daran wird Melzer in Altona gemessen werden. So unkt die grüne Fraktionsvorsitzende Gesche Boehlich, Melzers Aufgabe, die Sparauflagen des Senats für den Bezirk umzusetzen, sei „fast unlösbar“. Deutlicher werden FDP und CDU. Lorenz Flemming, Fraktionschef der FDP, ätzt, mit ihr habe die SPD eine „linientreue Bewerberin ausgegraben.“ Uwe Szczesny (CDU) wünscht ihr zum Amtsantritt ironisch einen „Hauch von Durchsetzungskraft“.
Im Bezirksamt hat Melzer alte Bekannte und Freunde. Bevor sie 2008 nach Rostock gerufen wurde, war sie hier Sozialdezernentin. Die Verwaltungsjuristin, die auch privat gerne Rot trägt, gilt als freundlich und verbindlich. Sollte es nicht zu grundlegenden politischen Umwerfungen im Bezirk kommen, wird Liane Melzer sechs Jahre lang Bezirksamtsleiterin sein.

Bayerische Wurzeln

Liane Melzer, die Frau an Altonas Spitze, ist 60 Jahre alt und unabhängig, lebt allein, ohne Mann, Partner, Kind oder Haustier. Geboren ist sie im Zeichen der Waage, zählt deshalb zu den Menschen, denen man einen Sinn für alle schönen Dinge im Leben sowie eine besondere Begabung für Freundschaft nachsagt.
Melzers Wurzeln liegen in Bayern, in Aschaffenburg, dort trat sie 1969 in die SPD ein. Studiert hat sie in Heidelberg und Hamburg und blieb beruflich im Norden hängen. Dafür zieht es sie im Urlaub in den Süden: nach Italien, besonders und immer wieder nach Venedig.
Die schwierige Wohnungssituation in Altona hat sich auch auf sie ausgewirkt – Melzer hat in „ihrem“ Bezirk bisher keine passende Wohnung gefunden und ist nach Mitte ausgewichen. Dort erholt sie sich von der Arbeit bei Musik zwischen Klassik und Beat und beim Lesen. „Team of Rivals. The Political Genius of Abraham Lincoln“ von der amerikanischen Historikerin Doris Kearns Goodwin ist ihre augenblickliche Lektüre.
Übrigens: Melzers Vorbild ist eine Hamburgerin – Eva Rühmkorf (1935-2013), eine der ers-ten deutschen Berufspolitikerinnen: „Sie hat ihre Themen hartnäckig, durchsetzungsstark und über alle Parteigrenzen hinweg verfolgt. Es kam ihr nie darauf an, kurzfristig politische ‘Punktsiege’ zu erringen – wichtig war es ihr, die Menschen zu überzeugen, nicht zu überrennen.“
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Dieter Schmidt aus Altona | 05.09.2013 | 11:07  
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