Als Sturm „Xaver“ über Altona hinwegfegte

Die Fischauktionshalle, wie ein verwunschenes Schloss, komplett umschlossen im Wasser.
  Ich erinnere mich noch sehr gut an einen heftigen Sturm, den ich als Junge von 12 Jahren im November 1972 erlebt habe. Gern wäre ich, trotz Warnungen der Eltern, an diesem Tag hinausgegangen um die Kraft des Windes zu spüren. Wie groß seine Kraft war, konnte ich am Tag danach erfahren, als sich der Sturm verzogen hatte. Einige Bäume in der näheren Umgebung waren entwurzelt oder umgeknickt. Teile von Schornsteinen und Dachpfannen waren von den Dächern gefallen und spießten sich regelrecht in den Rasen vor dem Wohnhaus in dem ich damals lebte. Nur gut, dass ich auf meine Eltern gehört hatte und nicht hinausgelaufen war.
40 Jahre später kam aus den Westen ein Sturm namens „Xaver“ und zog Richtung Norddeutschland und Hamburg. Von den Medien wurde er als schlimmster Orkan seit Jahrzehnten angekündigt, und der sollte am Donnerstag Nachmittag schon zu spüren sein.
Also zog ich mich gut vor Unwetter geschützt, wie ein Michelin Männchens aussehend, an und wagte mich hinaus, um zu sehen, was sich bei dem „Schietwetter“in den Straßen Altonas tut. Ich besuchte den Weihnachtsmarkt in Ottensen. Unterwegs spürte ich zwar ein paar starke Böen, die aber nicht so heftig waren, wie ich es erwartet hatte, dafür war es unangenehm kalt und regnerisch. Die Weihnachtsbuden blieben wegen der Sturmwarnung vorsorglich bis auf zwei Glühweinstände geschlossen. Es waren nicht so viele Passanten auf der Straße zu sehen wie sonst, obwohl der nächste Tag bekanntlich der Nikolaustag war. Sicherheitshalber blieben viele zu Haus und verzichteten auf den Einkaufsrummel.
Nun stiefelte ich von dort aus Richtung Fischmarkt, um zu sehen, ob sich dort schon das vom Wetterdienst angekündigte Hochwasser gebildet hatte. Als ich dort ankam, war es schon dunkel, und die Elbe war sichtbar über das Ufer getreten. Für die Menschen, die im Fischmarktviertel wohnen, ist das ein gewohntes Schauspiel, sie wissen damit umzugehen. Aber es ist jedesmal wieder ein Erlebnis, wenn die Fischauktionshalle wie ein verwunschenes Schloss komplett umschlossen im Wasser steht. Fast märchenhaft spiegelten sich in den Fluten das Licht der Straßenlaternen und das der Neonbeleuchtung der Gebäude in der Großen Elbstraße, die nun nicht mehr betreten werden konnte. Fotografen und Schaulustige verfolgten gebannt das Naturschauspiel. TV-Nachrichtensender übertrugen von dort aus live und brachten das Hochwasserspektakel in die vor Sturm Xaver geschützten Wohnzimmer.
Ähnliche Szenarien auf dem Fischmarktgelände folgten noch mal am Freitagmorgen, wo das Wasser noch höher über das Ufer schwappte und für eine neue Rekordflut sorgte: 6,9m, was in Hamburg sehr selten ist. Nur einmal ist das Wasser hier höher gestiegen und das war 1976. Am Abend gab es dann noch mal einen letzten und schwächeren Auftritt der Elbe, den Sturm Xaver verursachte.
Dann beruhigte sich das Unwetter wieder und zurück blieb nur noch der Schlamm, den das Wasser der Elbe mitgebracht hatte und erinnerte noch mal kurz an die Zeit, als Xaver über Altona hinwegfegte.
Am Sonntagmorgen war von allem dort nichts mehr zu bemerken. Der Fischmarkt war wie gewohnt sehr gut besucht, und das Elbwasser blieb dort, wo es hingehört, im Fluss.
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