Als Grieche in Hamburg

Eleni Giannakou und Joannis Bouzounis sind Griechen und Hamburger. Dem Wochenblatt erzählten sie von ihren Erlebnissen und Gefühlen in den Zeiten der Eurokrise.
Joannis Bouzounis (34) ist Doktorand und arbeitet als Deutschlehrer, er lebt seit 27 Jahren in Deutschland. Eleni Giannakou (36), selbstständige Heilpraktikerin, ist in Deutschland geboren. Beide sind griechische Staatsbürger, wohnen in Altona und in der Schanze und sind überzeugte Hamburger. Zwei Länder im Herzen - kein Problem. Joannis: „Das ist wie mit zwei Müttern aufzuwachsen - da kann man sich auch nicht zwischen der einen und der anderen entscheiden.“
Das Wochenblatt wollte wissen: Was erlebt ihr in Zeiten der Eurokrise als Griechen in Hamburg?

Joannis: „Typisch ist das ironische Lächeln: Achso, Grieche - alles klar. Eine Situation neulich sollte wohl scherzhaft sein, war aber unangenehm und blöd. Eine Frau sagte über mich: ‘Der ist Grieche, gib dem kein Geld, das siehst du nie wieder’“.
Eleni: „Ich beuge solchen Situationen vor, indem ich die erste bin, die Griechen-Witze macht. Ein Klischee war Griechenland bei den Deutschen ja immer: Tzaziki, Gyros, Saufen, Urlaubsland, Urlaubsland, Urlaubsland... Und jetzt haben wir eben das neue Klischee: In Griechenland sind alle korrupt."
Joannis: „Mein Vater sagt: ‘Man kann in Deutschland gar nicht mehr sagen, dass man Grieche ist, weil alle erwarten, dass man sich schämen soll.’ Die Leute sitzen hier im Luxus und urteilen über die „korrupten Griechen“ - nicht nur Deutsche, sondern auch hiesige Griechen, das finde ich besonders unmöglich. Es gibt viele Menschen in Griechenland, die sind nicht korrupt - und denen geht es jetzt sehr schlecht.“
Eleni: „Wenn hier gesagt würde: 24 Prozent Mehrwertsteuer auch auf Grundnahrungsmittel, und dein Lohn wird um 60 Prozent gekürzt - dann würde hier auch alles zusammenbrechen.“
Joannis: „Der Deutsche wirft den Griechen vor: ‘Ihr lebt von meinen Steuern, während ich hart arbeite. Wir haben es kalt, und bei euch scheint die Sonne.’ Man braucht eben einen Sündenbock, einen Schuldigen. Dafür halten wir jetzt her. Was mich erzürnt an den Deutschen: Die sehen nicht die menschliche Tragödie, die sich dort abspielt. Alte Leute wühlen in Mülleimern, weil sie nichts zu essen haben. Solche Bilder kannte ich aus Griechenland nicht. Und in den Schulen gibt es schon Kinder, die so hungrig sind, dass sie ohnmächtig werden.“
Eleni: „Die Griechen sind immer sehr flexibel gewesen, man arbeitete in drei Jobs gleichzeitig, um über die Runden zu kommen, aber jetzt hilft auch das nicht mehr. Früher sagte die griechische Oma zu Kindern und Enkeln: ‘Wenn ihr keinen Job kriegt, fütter ich euch mit meiner Rente durch.’ Sogar das geht nicht mehr. Es gibt keine Hoffnung mehr.“
Joannis: „Die Menschen weinen, sie weinen jeden Tag, sie weinen am Telefon und im Fernsehen vor den Kameras. Dass tut weh. Und hier in Deutschland sagt man dazu: Selber schuld. Das ist so, als ob beide Seiten über zwei ganz verschiedene Situationen sprechen.“
Eleni: Wie kann man helfen als Einzelner? Ein paar Suppenküchen organisieren wäre schon toll...“
Joannis: „Deutsche, macht Urlaub in Griechenland! Es ist immer noch ein wunderschönes Land. Und die Leute sind nett.“
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