Abschied von Ulli Maroni

Ulli Maroni - eigentlich Ulrich Agt - in einer Aufnahme von 1995. (Foto: pr)

Ulrich Agt, der Maronen-Mann von Ottensen, starb am 20. März.

Ulli Maroni ist tot. Das Ottensener Original starb am 20. März an Lungenkrebs. Er war am 17. März 72 Jahre alt geworden. Wegen seiner Krankheit hatte er im vergangenen Winter zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht auf dem Weihnachtsmarkt dabei sein können.
Der Mann mit dem umgebauten Fahrrad und dem transportablen Ofen gehörte zu Ottensen dazu. Seit Mitte der siebziger Jahre verkaufte er geröstete Esskastanien in der Fußgängerzone, früher vor dem Hertie-Kaufhaus, zuletzt in der Fußgängerpassage vor dem Mercado. Gabriele Lisewski aus dem Center-Management: „Das ist eine traurige Nachricht. Er war still, freundlich und zurückgenommen, sehr sympathisch. Ich denke jedes Mal an ihn, wenn ich die Orchidee sehe, die hier bei uns im Büro ganz prachtvoll blüht. Die hat er uns geschenkt.“
Es war still geworden um Ulrich Agt, wie er mit bürgerlichem Namen hieß. Dabei war der Maronenmann einst ein Symbol für Widerstand gegen sinnlose Bürokratie und hohle Staatsgewalt gewesen.
Ulrich Agt, gelernter Konditor, lebte als Künstler im Rom; von dort kehrte er Mitte der Siebziger aus Krankheitsgründen nach Deutschland zurück. Hier fand er keinen Anschluss an die Künstlerszene und beschloss, in Hamburg nach italienischem Vorbild geröstete Esskastanien zu verkaufen. Zu dem Unverständnis der Hamburger, die zuerst glaubten, er wolle ihnen Rosskastanien zum Essen andrehen, kam Ärger mit dem Ämtern: 1979 wurde sein Verkaufsstand als „ordnungswidrig“ mit einem Bußgeld belegt. Ulli Maroni klagte, verlor, wandte sich an die Politik, sammelte Hunderte von Unterschriften, ging in Berufung bis vors Oberverwaltungsgericht. Doch sein Kampf war einer gegen Windmühlenflügel – er verlor alle Prozesse gegen die Stadt. Daraufhin gab er nach und mietete sich einen privaten Standplatz, um seinen Beruf auszuüben. Später erhielt er durch die persönliche Fürsprache eines Bezirksamtsmitarbeiters doch die ersehnte Sondergenehmigung.
Die gesamte Auseinandersetzung ist in der Dokumentation „Ulli Maroni“ zusammengefasst, die das Stadtteilarchiv Ottensen herausgegeben hat.
Ulrich Agt wird in Eisleben bestattet. Der Termin für die Gedenkfeier in Hamburg: Sonnabend,13. April, 14 Uhr, St. Petri Altona, Schillerstraße 24.
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2 Kommentare
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Benjamin Harders aus Blankenese | 02.04.2013 | 17:41  
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Dirk Wagner aus Altona | 03.04.2013 | 17:54  
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