Abschied von Pastor Michael Fridetzky

Pastor Michael Fridetzky
 
Der Abschied von Pastor Fridetzky fällt schwer.
Zum Abschied von Pastor Michael Fridetzky ein kurzer Blick zurück: Wir schreiben das Jahr 2002, es ist Sonntag, 10 Uhr. Die Grünanlage um St. Trinitatis, der Kirche am Fischmarkt, ist völlig verwahrlost, Müll, Bierflaschen und Drogenbesteck liegen herum; die Kirche wirkt innen vernachlässigt, die Farbe ist abgeblättert, durch zerbrochene Fensterscheiben weht der Wind, es riecht muffig, in den Bänken herrscht gähnende Leere, drei Kirchgänger verlieren sich in ihnen.
Heute, im Jahre 2013, schlendern wir durch eine gepflegte Grünanlage, vorbei an einem bunten Blumenbeet mit herrlichen Stockrosen auf die Kirche zu, deren Tür offen steht und zum Eintreten lädt. Nach einer freundlichen Begrüßung treten wir in ein gepflegtes helles, lichtdurchflutetes Kirchenschiff, der Altar ist mit Vasen voll wunderschöner Blumen reich geschmückt, Kerzen lassen die in Goldtönen gehaltene Ikone noch mehr leuchten, ein angenehmer Duft von Weihrauch hängt in der Luft, und die Kirchbänke sind gut besetzt.
Was ist in diesen elfeinhalb Jahren geschehen?
Um es kurz zu sagen: Pastor Michael Fridetzky ist der Hauptkirche St. Trinitatis geschehen.
Als er sich nach anfänglichem Zögern bereit erklärte, die Leitung der Gemeinde zu übernehmen, wusste er, dass sein voller Einsatz gefordert war. Große Aufgaben warteten auf ihn: Die oberste Kirchenleitung musste von ihren Plänen abgebracht werden, die Hauptkirche, ehemals ein Wahrzeichen Altonas, wegen erheblicher Finanzprobleme ganz aufzugeben. Es galt, an ihre ehemalige Stellung im Mittelpunkt Altonas wieder anzuknüpfen und sie mit neuem Leben zu füllen. Und schließlich nahm er die Herausforderung an, Kirche und christliche Werte in diesem sozialen Brennpunkt wieder in das Bewusstsein der Menschen zu rücken.
Das ist ihm gelungen: gut besuchte Gottesdienste, eine Vielzahl von Veranstaltungen und Konzerten sowie eine beachtliche Schar von engagierten Helfern zeugen davon. Doch mindestens ebenso sehr tun dies die Menschen, die alltäglich in die Kirche kommen, um hier dem Lärm, der Hektik und dem Gehetztsein für eine Weile zu entkommen. Sie finden eine Oase der Stille, einen Schutzraum zum Durchatmen, zum Danken und zum Trauern.
Es war eine der ersten „Amtshandlungen“ Pastor Fridetzkys, die Tür seiner Kirche zu öffnen, ganztägig, nicht nur sonntags, und jeden willkommen zu heißen, egal welcher Hautfarbe, Glaubensrichtung oder sozialen Stellung. Als einzige Gegenleistung erwartet er Respekt vor dem heiligen Raum und den (anwesenden) Mitmenschen.
In diesem Wenigen findet sich schon ein Großteil seiner Überzeugungen: Christliche Werte leben – das tut Fridetzky, wenn er Menschen unterschiedlichster Herkunft in seiner Kirche zusammenführt, gegenseitiges Verständnis fördert und das Gemeinschaftsgefühl stärkt. „Es hat was von großer Familie hier“, sagt ein Gemeindemitglied, „und alle werden akzeptiert.“ Hier ist Andersartigkeit eine Bereicherung und keine Bedrohung, jedem wird mit Respekt und vorurteilsfrei begegnet.
Der Abschied von Pastor Fridetzky fällt schwer. Mit seiner offenen Art, seiner freundlichen Zugewandtheit, seinem offenen Ohr für jeden, seiner Neugier auf Neues, seiner Begeisterungsfähigkeit, seiner Liebe zu allem Künstlerischen und seinem Sinn für Humor konnte er viele Menschen erreichen und Herzen öffnen.
„Seine“ Kirche, die Altonaer Hauptkirche St. Trinitatis, hat er mit dem Geist der Liebe beseelt.
Seine letzte ökumenische Messe wird er am Sonntag, 27. Oktober, halten und am Donnerstag, 31. Oktober, um 18 Uhr gibt es ein Konzert zum Abschied. Der Eintritt ist frei und jeder ist herzlich willkommen.
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