95 neue Wohnungen im Hinterhof

Wehren sich gegen die Bebauung ihres Hinterhofs: Anwohner und Mitglieder der Initiative „Bahrio 68“. (Foto: cvs)
 
Grün, hell, und mit ein paar Gewerbeflächen: Die Rückseiten der betroffenen Häuser zwischen Stresemann- und Leverkusenstraße. (Foto: cvs)

B-Plan Bahrenfeld 68: Anwohner kritisieren geplante Nachverdichtung

Ch. v. Savigny, Bahrenfeld

Der Blick aus einem der oberen Stockwerke fällt auf grüne Hinterhofgärten und einige große, alte Bäume. Im Zentrum des Häuserblocks befinden sich eine Autowerkstatt sowie eine Anzahl Garagen. Die Anwohner genießen freie Sicht und haben Ruhe vor dem Verkehrslärm an den Vorderfronten ihrer Häuser.
Doch damit könnte bald Schluss sein: Denn laut Bebauungsplan (B-Plan) 68 soll der gesamte Blockinnenbereich zwischen Stresemann-, Schützen-, Leverkusen- und Ruhrstraße bebaut werden. Geplant sind drei Wohnblocks mit je vier Geschossen plus Staffelgeschoss (also knapp unterhalb der Bestandshöhe) mit insgesamt 95 Wohnungen, davon ein Drittel öffentlich gefördert. Außerdem soll eine Tiefgarage mit 66 Stellplätzen entstehen. Derzeit bereitet das Bezirksamt einen neuen B-Plan vor. Am Mittwoch, 4. Mai, findet zu dem Thema eine Plandiskussion statt (siehe Kasten).

„Verdichtung ist notwendig“, sagt der Grüne Trede

Bei den Anwohnern stößt das umfangreiche Nachverdichtungsprojekt auf wenig Gegenliebe: „Wir haben nichts gegen Wohnraumbebauung, aber sie muss maßvoll sein und die Belange der Bewohner berücksichtigen“, sagt Rebecca Oehms, Mitglied der Bürgerinitiative „Bahrio 68“, die sich vor gut zwei Jahren gegründet hat.
Die Ini mischt sich ein, hinterfragt Gutachten (etwa zu den Themen Luftschadstoffen und Verschattung) und ist regelmäßig bei den Planungsrunden der Politiker zu Gast. Was die Betroffenen sich wünschen, ist Licht und Sonne: „Laut Planung beginnt der Neubau nur acht Meter von meinem Balkon entfernt“, sagt Wiebke, die wie einige Anwohner nicht mit vollem Namen genannt werden möchte. „Es wird also deutlich dunkler werden, außerdem fällt der Sichtschutz weg.“ Zusätzlich führt die Initiative das aktuelle „Landschaftsschutzprogramm Hamburg“ ins Feld. Darin werden für den Stadtteil „Umgestaltung von Blockinnenhöfen zu gemeinschaftlich nutzbaren Freiflächen“ vorgeschlagen. „Davon merken wir hier nichts“, sagt Rebecca Oehms.
Im Planungsausschuss Altona wird der B-Plan 68 schon seit über zwei Jahren diskutiert. „Wir machen die Innenhofbebauung grundsätzlich mit, aber der Bau muss niedriger werden“, fordert Sven Hielscher (CDU). Die Grünen haben offenbar weniger auszusetzen. „Verdichtung ist notwendig, sonst müssen wir in die Randgebiete, und das wollen wir nicht“, sagt Christian Trede, Sprecher der Grünen-Fraktion für Stadtentwicklung.

Was sagt der Bauherr?


„Schon seit Ewigkeiten“ befindet sich das Areal laut Besitzer Rolf Behrmann in Familienhänden: „Mein Vater hat hier die ersten Häuser gebaut“, sagt er. Auch das Büro der Grundstücksverwaltung Behrmann liegt direkt vor Ort – in der Leverkusenstraße.
Behrmann will bauen, und zwar, wie er selbst sagt: „So schnell wie möglich.“ Ende des Jahres könnten die Bauarbeiten bereits starten und nach einem weiteren dreiviertel bis einem Jahr abgeschlossen sein. Die Einwände der Bewohner kann der Besitzer nicht verstehen: „Man hat zwar etwas mehr Schatten, aber dafür ermöglicht man es anderen, dort zu wohnen.“ Für den Fall, dass der Bezirk die aktuelle Planung – vier Stockwerke plus Staffelgeschoss – nicht genehmigt, will Behrmann woanders bauen. „Und zwar deutlich höher, weil wir das ja auch dürfen.“

Termin
Öffentliche Plandiskussion
zum Bebauungsplan Bahrenfeld 68 am Mittwoch, 4. Mai, um 19 Uhr in der Aula der Stadtteilschule Bahrenfeld, Regerstraße 21.
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