53 Jahre im Dienste der Musik

Hilde und Martin Hettwer in ihrem Zuhause in Rissen an der „Heimorgel“, die so ganz anders aussieht, als das, was der Laie darunter versteht....

Martin Hettwer (82) als Kantor von St. Joseph verabschiedet.

Welch eine Schaffenskraft! Das Ehepaar Hilde und Martin Hettwer, sie Sonderschullehrerin, er Rektor, zeitweise sogar von zwei Schulen. Vier Kinder haben sie großgezogen. „Daneben“ pflegten sie jahrzehntelang ihre Aufgaben in der Kirchenmusik. Martin Hettwer hat jetzt, im Alter von 83 Jahren, seinen Dienst als Kantor an der Pfarrei St. Joseph in der Großen Freiheit beendet. 53 Jahre lang war er dort musikalisch tätig, immer unterstützt und begleitet von seiner Frau.
1951 kam das junge Paar aus Schlesien nach Hamburg, zog vom vorläufigen Zuhause in einem Dachboden in das erste neu gebaute BVE-Haus in der Gählerstraße. 1959 übernahm der junge Lehrer den Kirchenchor von St. Joseph - sechs Leutchen waren es damals. Ein Jahr später hatte sich die Zahl der Sänger und Sängerinnen verzehnfacht. Bis 1992 bestand der Chor - die ehemaligen Mitglieder erinnern sich begeistert an Konzerte, gemeinsame Ausflüge und Feste. (siehe: Persönlich: Irmgard Malchow). 1960 übernahm Hettwer auch den Platz an der Orgel.
Das bedeutete: 53 Jahre lang sonnabends zur Vorabendmesse spielen, sonntags zur Frühmesse und zum Hochamt. Besonders an Feiertagen war Präsenz gefragt. Heiligabend gab es deshalb zu Hause„... nur einen Imbiss im Stehen zwischen Tür und Angel“, erinnert sich Hilde Hettwer. Die ganze Familie war nämlich singend und spielend unterwegs. Nach der Mitternachtsmesse, wenn keine Bahn, kein Bus mehr fuhren, mussten die Hettwers viele ihrer Sänger nach Hause fahren. So kamen sie selbst erst um 4, 5 Uhr wieder zu Hause in Rissen an, wohin sie inzwischen gezogen waren.
„Und am 25. Dezember um 9 Uhr morgens musste ich wieder an der Orgel sitzen“, berichtet Hettwer. An der Orgel, die „aus allen Löchern pfiff“, als er sie das erste Mal bespielte. Das Geld für die Erneuerung des Instruments habe er über Jahre erbettelt, fügt er hinzu.
Martin Hettwer hängt an „seiner“ Orgel von St. Joseph. Wird der exzellente Musiker nun dorthin zu Konzerten einladen? Nein, winkt er lächelnd ab. Anderswo gern, aber nicht dort: „Die Wehmut ist doch zu groß“.
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