423 Bäume für Sportpark geopfert

NABU-Referentin Katharina Schmidt fordert „adäquaten Ersatz“ für jeden gefällten Baum.

Naturschutzbund Deutschland kritisiert umfangreiche Rodungen.

Von Christopher von Savigny.
Der Erdwall rund um den Hermann-Seiffart-Sportplatz unweit der S-Bahnstation Bahrenfeld gleicht einem umgepflügten Acker: Der Boden ist frisch aufgebrochen, überall liegen Aststücke, Wurzelreste und Steine herum. Keine Spur mehr von den zahlreichen Bäumen und Sträuchern, die dort noch Anfang des Jahres standen. Ende Februar – direkt vor Ablauf der Baumfällsaison – hatte der Bezirk noch einmal die Säge angesetzt, um das Gelände für den Bau des Sportparks (siehe Kas-ten) vorzubereiten. Gerodet wurden laut Fällliste 423 Bäume und rund 4.600 Quadratmeter Strauchwerk.
Kritik kommt vom Naturschutzbund Deutschland (NABU), der sich nicht nur am Umfang der Fällaktion stört, sondern auch bemängelt, dass Infos zum Thema Nachpflanzungen fehlen. So habe der Bezirk Altona für die Saison 2014/2015 im Gegensatz zu anderen Bezirken überhaupt keine Angaben darüber gemacht, wieviele Bäume nachgepflanzt werden sollen. „Es fehlt an der erforderlichen Transparenz“, sagt NABU-Referentin Katharina Schmidt. „Die Angaben in den Listen müssen zu Saisonbeginn vollständig sein.“
Das Bezirksamt Altona weist die Kritik des NABU zurück: „Wenn Sie in den Fälllisten nachsehen, werden Sie sofort feststellen können, wo welche Bäume nachgepflanzt werden“, sagt Sprecher Martin Roehl. Und zum Thema Sportpark (Bebauungsplan Bahrenfeld 63 / Groß Flottbek 17): „Dort werden exakt 84 Bäume nachgepflanzt. Dazu kommen Ausgleichsflächen in der Osdorfer Feldmark.“
Die große Differenz zwischen der Zahl der gefällten und der als Ersatz gepflanzten Bäumen ergebe sich dadurch, dass viele der gerodeten Bäume noch zu dünn gewesen seien, um unter die Baumschutzverordnung zu fallen. Laut dieser Verordnung müssen Bäume nicht nachgepflanzt werden, wenn sie weniger als 25 Zentimeter Stammdurchmesser aufweisen. Gemessen wird in 1,30 Meter Höhe. Ebenso ausgenommen sind Obstbäume.
Darüber hinaus kritisiert der NABU den Verlust des Lebensraums für zahlreiche Insekten, Fledermäuse, Kleinsäuger und Vögel.
Die Kritik an den Fällungen könne man zum Teil verstehen, sagt Andreas Bernau, SPD-Fachsprecher für Grün, Naturschutz und Sport in der Bezirksversammlung. Es sei jedoch nicht anders möglich gewesen. „Wenn man den B-Plan anguckt, sieht man, dass die Bäume mitten im zukünftigen Strafraum stehen!“

Neuer Sportpark
Aus zwei mach' viereinhalb: So könnte man in aller Kürze das Konzept für den Sportpark Bahrenfeld bezeichnen, der noch in diesem Jahr zwischen Sibelius- und Lyserstraße, der Autobahn A7 und der S-Bahnlinie entstehen soll.
Die zwei Spielfelder des derzeitigen Hauptnutzers Bahrenfelder Sportverein (BSV 19) werden eingestampft – sie vier oberligatauglichen Großspielfeldern und einem Kleinspielfeld Platz.
Für den künftigen Sportpark werden die Sportplätze an der Wichmannstraße, am Trenk-nerweg und am Othmarscher Kirchenweg aufgelöst. Auf den dortigen Flächen sollen Wohnungen gebaut werden.
An seiner Westseite reicht der Sportpark bis an die Autobahn heran. Das bedeutet auch, dass die Baurstraße künftig nicht mehr durchgängig befahrbar sein wird, sondern in einer Sackgasse endet. Den ebenfalls betroffenen Kleingärtnern des Vereins „Eichenkoppel“ wurde bereits zum Ende des vergangenen Jahres gekündigt.
Vorerst bleiben darf der Abenteuerspielplatz am südlichen Rand des Geländes, da noch nicht geklärt ist, ob Altona 93, einer der künftigen Sportpark-Nutzer, dort eine neue Sporthalle bauen wird. Die Bäume rund um den Spielplatz wurden deshalb noch nicht gefällt.
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