35.000 Stunden Arbeit – keine davon bezahlt

Glücklicher Tag für Wolfgang Vacano (Mitte), der nach vielen Jahren der Selbstausbeutung mit der Gründung seiner „Wolfgang und Gisela Vacano Altona Stiftung“ Anerkennung und Dank für seine Arbeit erntete. Rechts: Borries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg, links: Hans-Jörg Czech, Leiter des Altonaer Museums. Foto: ch

Wolfgang Vacano hat für seine legendäre Altona-Sammlung
eine Stiftung gegründet - Sammlung kommt in den Besitz des Altonaer Museums .

Zu seinem 151. Geburtstag am vergangenen Sonnabend erhielt das Altonaer Museum ein Geschenk: Wolfgang Vacano, Altonas selbst ernannter - aber inzwischen überall anerkannter - Stadtarchivar, teilte mit, dass seine Sammlung zur neueren Geschichte Altonas in eine Stiftung überführt wird. Die „Wolfgang und Gisela Vacano Altona Stiftung“ soll über kurz oder lang dem Altonaer Museum zugeführt werden. Das Museum darf ab sofort die Sammlung der Stiftung nutzen.
Börries von Notz, Alleinvorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg: „Was Sie aufgebaut und zusammengetragen haben, ist faszinierend und beeindruckend, ihre Tätigkeit ist unverzichtbar.“
Diese Worte müssen Seelenbalsam für Wolfgang Vacano sein. 35.000 Stunden, so seine Berechnung, hat er seit 1988 im Dienste Altonas und der Geschichte gearbeitet, keine Stunde davon bezahlt. Jahrelang hat er allein auf weiter Flur darum gekämpft, Altonas Gegenwart so umfassend wie möglich zu dokumentieren. Weil er wusste: Die Zeit geht schnell, und morgen ist das Altona von heute schon Historie.
So hält Vacano seit Jahrzehnten minutiös die Veränderungen im Stadtteil fest - vom Abriss des Bismarckbads bis zum Bau von Ikea. Er hat Fotos, Dokumente und Dachboden-Fundstücke von Altonaern entgegegengenommen und selbst Tausende von Bildern gemacht. Und er hat seiner Sammlung alles einverleibt, was im Zuge von Abriss und Neubauten sonst weggeworfen worden wäre.
„Den Müllsammler“ nannten Leute ihn hinter seinem Rücken. Manche sagten das abfällig, manche mit Respekt und Bewunderung. Für seine Begeisterungsfähigkeit, vor allem aber für seine Zähigkeit.
Sieben Mal musste er mit zigtausenden Objekten umziehen, musste ewig bei Politik und Verwaltung Klinken putzen, um Räume für seine Arbeit zu finden. Tiefpunkt war der Tag, an dem eine Museumsleiterin ihn samt seiner Sammlung aus seinem Zimmer im Altonaer Museum hinausschmiss. Sie wollte den großen Raum selbst nutzen - als repräsentatives Direktorenzimmer.
Das ist Vergangenheit. Museumsleiter Hans-Jörg Czech am Sonnabend: „Welch ein Glück, dass Sie auf lange Sicht Ihre Sammlung ins Altonaer Museum einbringen.“ Wolfgang Vacano wünscht sich nun nur noch eins: „Ich bin kein typischer Sammler – ich habe kein Eigentümergefühl. Nutzen Sie meine Sammlung – dann erst habe ich meinen Spaß!“
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