2016: Das war das Jahr

Kiddo Kat rockte die Altonaer. Foto: Lidija Delovska

Altona im Rückblick

Januar: ❱❱ Altonaer helfen nach Silvester-Brand: 91 Bewohner eines Pflegeheims in der Behringstraße haben zum Jahreswechsel Glück im Unglück als ein Feuer im Dachstuhl des Hauses entdeckt wird. Alle Senioren werden von der Feuerwehr gerettet. Die Nacht verbringen sie in bereitgestellten Großraumbussen „Dort haben sich viele Nachbarn rührend um uns gekümmert. Auch die Mitarbeiter vom Stadtcafé, wo eine Silvesterparty stattfand, brachten Kaffee und Berliner vorbei“, so Bewohner Jürgen Wendland.
❱❱ Bezirksamtsleiterin Liane Melzer ist zu Gast in der Redaktion des Elbe Wochenblatts. Im Interview bekräftigt sie, dass ihr „das große Engagement der Bürger bei der Unterbringung der Flüchtlinge im Bezirk Mut macht“.
❱❱ Lange hat’s gedauert: Der FC Teutonia 05 weiht seinen neuen Kunstrasenplatz an der Kreuzkirche ein.
❱❱ 22 Jahre wurde in Ottensens kleinstem Haus gefeiert. Damit ist bald Schluss: Die Betreiber des Blauen Barhauses kündigen an, ihren Laden schließen zu müssen. Das Gebäude wird abgerissen, ein Neubau mit Eigentumswohnungen entsteht.

Februar:
❱❱ Heißer Abriss der Subkultur? Nachdem der Golden Podel Club am Hafenrand bei einem Brand völlig zerstört wird, gehen die Ermittler von Brandstiftung aus.
❱❱ „Was wäre Altona ohne die Motte?“, fragt Bezirksamtsleiterin Liane Melzer. Seit 40 Jahren gibt es das Stadtteilkulturzentrum. Die Politik hat beim Empfang nicht nur warme Worte im Gepäck, sondern 200.000 Euro Zuschuss für dringend nötige Ausbesserungsarbeiten.
❱❱ Altonas Bundestagsabgeordneter Matthias Bartke ist zu Gast in der Redaktion. „Obergrenzen lösen kein Problem“, sagt der SPD-Politiker zur hitzig diskutierten Flüchtlingspolitik der Großen Koalition.
❱❱ Die Stresemannstraße bekommt einen neuen Belag, außerdem werden neue Busspuren und Fahrradwege gebaut. Kritik an den monatelangen Bauarbeiten kommt vom Bahrenfelder Bürgerverein: „Man hätte bis zur Sanierung der A7 warten können.“
❱❱ „Größter Erfolg der Vereinsgeschichte“: Die Hockeyherren des THC Altona-Bahrenfeld werden Oberligameister und steigen vor 500 Fans in der Halle des Christianeums in die Regionalliga auf.

März:
❱❱ Band Aid im Hamburger Westen: Zehn Bands aus Altona sammeln Spenden für die Flüchtlingshilfe der Luthergemeinde Bahrenfeld. Das Konzert wird von Schülervertetern des Kreisschülerrats organisiert.
❱❱ Klaus Pervölz aus der Neustadt hat Ärger mit seiner Krankenkasse, der Deutschen BKK. Er bekommt keinen Ersatz für seinen Stuhl mit Aufstehhilfe, auf den er angewiesen ist. „Nicht wirtschaftlich“, heißt es. Das Elbe Wochenblatt mischt sich ein.
❱❱ 22 Jahre haben die Anwohner der Initiative „Ohne Dach ist Krach“ darum gekämpft, nun haben Senat und Bezirk eine Absichtserklärung zur Überdeckelung der A7 unterschrieben. Baubeginn des rund 265 Deckels: in frühestens drei Jahren.
❱❱ Mit Uwe Sczeesny ist nun ein Christdemokrat zu Gast am Konferenztisch des Elbe Wochenblatts. Der Fraktionsvorsitzende in der Bezirksversammlung gibt sich pragmatisch wie immer, in Sachen Flüchtlingspolitik und Obergrenzen liegt er ganz auf Linie der Bundeskanzlerin.

April:

❱❱ Zwischen Absturz und Schicki-Micki: Das wunderbare neue Buch des Stadtteilarchivs Ottensen zeigt, wie sich die Bahrenfelder Straße verändert hat. Gegen Spekulanten wurde schon 1973 demonstriert.
❱❱ Die Kleiderkammer in den Messehallen zieht nach Altona: Die Stadt Hamburg hat für den Verein Hanseatic Help an der Großen Elbstraße Räume angemietet.
❱❱ 95 Wohnungen im Hinterhof geplant: Auf der Rückseite der Häuser zwischen Stresemann- und Leverkusenstraße liegen Gärten und Gewerbe. Die Anwohnerinitiative „Bahrio 68“, die es seit zwei Jahren gibt, kämpft für eine „maßvolle Bebauung“. Im Altonaer Planungsausschuss wird seit zwei Jahren diskutiert, was der Bebauungsplan hergibt.

Mai:
❱❱ Michael Jung hat sich so seine Gedanken gemacht, ob der Umzug des Fernbahnhof Altonas zum Diebsteich sinnvoll ist. Er und seiner Mitstreiter der Initiative „Prellbock Altona“ kritisieren die Entscheidung der Bahn, die vorwiegend wirtschaftlichen Interesse folge. Der Bericht im Elbe Wochenblatt sorgt für großes Leserecho. Viele Altonaer sind gegen den Umzug. Dieter Appelt schreibt „Stuttgart 21 lässt grüßen“. Sein Leserbrief ist später in einer Folge der ZDF-Dokumentation „37 Grad“ über die Deutsche Bahn im Fernsehen zu sehen.
❱❱ Ebenfalls vor einem TV-Millionenpublikum spielen die Fußballer von Altona 93 eine Hauptrolle. Teile des Oddset-Pokalendspiels gegen Eintracht Noderstedt weden live im Ersten übertragen. Zwar verliert der AFC in der Verlängerung, mit 1:4 doch bundesweit ist der Traditionsverein immer noch deutlich bekannter als Norderstedt.

Juni:
❱❱ „Berkan Algan Fußballgott“: Altona 93 nimmt an der Aufstiegsrunde zur Fußball-Regionalliga teil. Beim Heimspiel gegen Eichede in der Adolf-Jäger-Kampfbahn zahlen 3.721 Zuschauer Eintritt. Trainer Algan wird nach den Spielen von den Fans gefeiert, obwohl es mit dem Aufstieg in die 4. Liga denkbar unglücklich in letzter Minute nicht klappt.
❱❱ Wer kann helfen? Unbekannte haben das Bismarck-Denkmal an der Königstraße beschmiert. Über das Elbe Wochenblatt sucht Wolgfang Vacano vom Stadtteilarchiv Altona einen sechs Meter hohen Arbeitskorb, um den „Eisernen Kanzler“ zu reinigen. Und damit nicht genug: Um den Tauschtisch an der Chemnitzstraße zu retten, übernimmt Vacano dessen Patenschaft.

Juli:
❱❱ Kein Stadtteil für Stubenhocker: Zum Altonale Straßenfest kommen 450.000 Besucher. Bei trockenem Sommerwetter wird auch die Altonale 18 ein großer Spaß.
❱❱ Eine Stuttgarterin für das Altonaer Museum: Anja Dauschek ist promovierte Volkskundlerin und leitete zuvor das Stuttgarter Stadtmuseum.
❱❱ Der Kampf von Klaus Pervölz für einen neuen Stuhl mit Aufstehhilfe (siehe März) hält noch an. Die Deutsche BKK spielt auf Zeit, doch nun will sich das Bundesversicherungsamt einschalten.
❱❱ Ein Jahr Mietpreisbremse: Gerade in Ottensen wird sie umgangen, sagen Vertreter des Mietervereins über den aus ihrer Sicht „zahnlosen Tiger“.

August:
❱❱ Letzter Tag in der Rathaus-kantine: Pächter Dirk Wagner gibt nach zwölf Jahren auf. Der Senat hat die „Fremd-
esserabgabe“ für Nicht-Behördenmitarbeiter immer weiter erhöht. Die Zahl von 300 Essen sank auf 120, „es rechnet sich einfach nicht mehr“, sagt Wagner.
❱❱ Zu teuer für Carsten Maschmeyer: Das Land ist im Start-up-Fieber, in der Vox-Sendung „Höhle der Löwen“ tretten auch junge Gründer aus St. Pauli auf. Carsten Maschmeyer will sich nicht an Kale&Me beteiligen, die kaltgepresste Säfte herstellen. „Wir waren ihm wohl zu teuer“, glaubt Mitgründerin Annemarie Heyl.
❱❱ Beginner sind Nummer Eins: Ihr Video zu „Ahnma“ bringt am Hafenrand Jan Delay und Uwe Seeler zusammen. Die Hip-Hopper aus Hamburg feiern mit einem Konzert im Bunker auf St. Pauli, dass ihre Platte von null auf eins in den Hitparaden landet.
❱❱ Der Hochbunker auf St. Pauli beschäftigt auch die Bezirkspolitik. Ein Investor will das Gebäude aufstocken, die Bezirksversamlung Mitte stimmt einer abgespeckten Variante zu.

September:
❱❱ Am 9. September feiert Wilhelm Simonsohn in Bahrenfeld seinen 97. Geburtstag. Der um neun Monate ältere Helmut Schmidt hatte Simonsohns Biographie zu Lebzeiten mit „großem Interesse gelesen“ und sich mit ihm getroffen. Beide waren als Jugendliche aus der Marine-Hitlerjugend ausgetreten. Schmidt hatte als „Scharführer“ eine Wand mit einem Gedicht beschriftet, das nicht in die NS-Ideologie passte. Simonsohn wurde bei einem Streit aus heiterem Himmel als „Judenlümmel“ beschimpft. Was er damals noch nicht wusste: Sein deutschnational denkendender Adoptivvater Leopold war Jude.
❱❱ 1.000 Fußballer gehen auf die Straße. Der gerade erst modernisierte Platz von Teutonia 05 (siehe Januar) kann nur noch stark eingeschränkt für Training und Spiel genutzt werden. Eine Anwohnerin hatte sich über den Lärm beschwert. Der Umbau des einstigen Grandplatzes zwingt das Bezirksamt, neue Grenzwerte anzuwenden. Die Kicker ziehen protestierend mit Trillerpfeifen zur Bahrenfelder Straße.
❱❱ Sieg für Klaus Pervölz: Seine Krankenkasse wird vom Sozialgericht im Eilverfahren dazu verdonnert, ihm den Stuhl mit Aufstehhilfe zu bezahlen.

Oktober:
❱❱ Verliert Ottensen das nächste Haus mit Geschichte? Einige für Ottensen typische Gebäude sind von Abriss bedroht, wie das Blaue Barhaus (siehe Januar. Ein etwa 135 Jahre altes Sahlhaus an der Holstentwiete möchte der Eigentümer abreißen, um dort viergeschossig neu zu bauen. Das Bezirksamt lehnt ab, weil das Haus unter Denkmalschutz steht. Der Streit liegt bei Gericht.
❱❱ Praktische Hilfe für Flüchtlinge bietet Hannes Nöllenheidt an, der mit seinen Mitstreiter von „Kick it-United“ mobile Fußballplätze in Erstaufnahmeeinrichtungen aufbaut. Joachim Maack und seine Mechanikerkollegen sind die
„Schnackschrauber“. Sie machen an der Erstaufnahme Schnackenburgallee alte Fahrräder wieder fit.
❱❱ Kirchenmusik nahe der Reeperbahn: „Keiner hat vor 15 Jahren geglaubt, dass ein kirchlicher Chor an diesem Ort Erfolg haben könnte“, sagt Fernando Gabriel Swiech, der Leiter des Chors der Friedenskirche.

November:

❱❱ Post in Ottensen wird dicht gemacht: Zum Jahresende will die Postbank die Filiale am Piependreiherweg aus „wirtschaftlichen Gründen“ schließen. Ein großes Leserecho ist die Folge des Elbe Wochenblatt-Berichts. „Rücksichtslos gegen unser Ottensen“ sei das. Und es kommt noch schlimmer: Wegen Personalausfalls wird die Filiale zeitweise geschlossen. Wer ein Paket abholen will, muss sich am Kaltenkircher Platz in eine 100 Meter lange Schlange stellen. Die Ankündigung der Postbank, am 2. Januar 2017 eine „Partnerfiliale“ in der Bahrenfelder Straße zu eröffnen, besänftigt die Leser nicht.
❱❱ Die Obdachlosentagesstätte MAhL ZEIT feiert ihr 20-jähriges Bestehen mit einem Festakt, den Schirmherr Steffen Hallaschka moderiert. Seltsam: Aus der Bezirkspolitik gratuliert keiner, geschweige denn Bürgermeister Olaf Scholz, der in der Nähe der kirchlichen Einrichtung wohnt.


Dezember:

❱❱ „Rücksichtsloser Personalabbau“: Elbe Wochenblatt-Mitarbeiter Christopher von Savigny recherchiert weiter die Hintergründe der Postschließung in Ottensen (siehe November). „Die Postbank führt im Filialvertrieb Personalabbau ohne Rücksicht auf Kunden und Beschäftigte durch“, kritisiert Gewerkschaftssekretärin Alexandra Luerssen von ver.di. Eine Woche später verspricht ein Verteter der Bundesnetzagentur, sich die Sache mal genauer anzusehen. Einige Altonaer schreiben Protestbriefe und -E-Mails. Doch eine Anwohnerinitiative, wie sich einige gegen Bebauungspläne vor der Haustür gegründet haben, kommt nicht zustande.
❱❱ Frau Weißenberger hört auf. Unser Bürgerreporter Michael Borkowski berichtet über die Nachfolgersuche der traditionsreichen Schlüter’schen Buchhandlung in der Behnstraße. Zum Glück findet sich doch noch ein Nachfolger, wie Borkowski berichtet. Übrigens: Gemeinsam mit seinem Bürgerreporter-Kollegen Peter Wulf organisierte Borkowski im Sommer eine erfolgreiche Doppelausstellung im Mercado und zeigte seine Bilder anschließend in der St. Trinitatiskirche.
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