2015: Das war das Jahr

Bettina Buhr ackert mit ihrem Team unermüdlich in der Kleiderkamme der Lutherkrche. Foto: cvs

Monat für Monat: Der Altonaer Jahresrückblick

Januar:

❱❱ Brandanschlag auf die Hamburger Morgenpost: Unbekannte werfen einen Molotowcocktail durch das Redaktionsgebäude in der Griegstraße. Es wird vermutet, dass der Anschlag eine Reaktion auf das „Mopo“-Titelbild „So viel Freiheit muss sein“ ist. Darin hatte die Tageszeitung ihre Solidarität mit „Charlie Hebdo“ bekundet.
❱❱ Die Viktoria-Kaserne wird dauerhaft Ort für Kunst und Kultur. Die Stadt verkauft das Gebäude für 1,85 Millionen Euro an eine Genossenschaft, der auch Künstler angehören.
❱❱ Die Tage des „Weißen Riesen“ sind gezählt. Das Hochhaus, in dem seit 1981 die Verwaltung von Euler Hermes sitzt, soll Wohnhäusern weichen.
❱❱ Fahndung im Fernsehen nach dem Mörder von „Oma Hilde“. In der Sendung „Aktenzeichen XY ... ungelöst“ versucht das ZDF die Hintergründe der Tat aufzuklären. Hildegard S. war Ende 2013 in ihrer Wohnung in der Mendelssohnstraße tot aufgefunden worden.

Februar:

❱❱ Olaf, weitermachen! Bei der Bürgerschaftswahl bleibt die SPD deutlich stärkste Partei, muss aber zukünftig mit den Grünen regieren. Bürgermeister Olaf Scholz kommt zum Wählen in die Gewerbeschule Museumsstraße, wo rund 50 Fotografen auf ihn warten. Im Altonaer Kerngebiet holt die SPD allerdings nur 37,7 Prozent, während sie hamburgweit knapp 46 Prozent einfährt.
❱❱ Wieder geht ein Stück altes Bahrenfeld: 38 Jahre lang haben Hans-Joachim und Margrit Schulz ihren Kiosk am Norburger Stieg geführt. Weil sie keinen Nachfolger fanden, muss der Laden nun schließen.
❱❱ Ewer am Haken. Einst transportierte er Obst und Gemüse von den Vierlanden nach Hamburg. Später stand er im Ankerhof des Altonaer Museums. Weil dort eine neue Gastronomie geplant ist, wird der Ewer ins Museumsdepot nach Stellingen gebracht.
❱❱ Im Alter von nur 43 Jahren stirbt Karsten Siem. Viele Altonaer kannten ihn aus dem „True Rebel Store“ in der Großen Bergstraße.

März:

❱❱ Radler, absteigen! Rund um den Bahnhof Altona müssen Radfahrer künftig schieben. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club versteht die Maßnahme nicht: „Es gibt dort keinen Konflikt zwischen Fußgängern und Radfahrern.“
❱❱ Bahrenfelder Forsthaus abgebrannt: Die Feuerwehr kämpft vergeblich gegen die Flammen, die Brandursache ist unklar. Schon vorher hieß es, das Gebäude solle abgerissen werden, um dort Wohnungen zu bauen.
❱❱ Paketzusteller beliefert 300 Haushalte in Altona – eine Woche später brechen bei ihm die Masern aus.
❱❱ Monopoly mitten in Ottensen. Immer mehr Grundstücke wechseln den Eigentümer. So auch das Eckgrundstück Abbestraße/Zeißstraße. Das dort befindliche Kindertheater „Wackelzahn“ bleibe indes erhalten, sagt Leiter Franz Breit dem Wochenblatt.


April:

❱❱ Altona 93 hat sein Stadion, wo seit 1908 Fußball gespielt wird schon vor Jahren verkauft, – falls der Verein einen neuen Standort im Stadtteil findet. Nun bietet der Bezirk dem AFC ein Gelände an der Memellandallee an. Aber wie soll die neue Spielstätte heißen? Folkert Morhof möchte, sie weiterhin nach Altonas größtem Fußballer „Adolf-Jäger-Stadion“ nennen. Der bisherige Name „Kampfbahn“ passe nicht in die Zeit und nicht zum Nationalspieler, der sich von den Nazis ferngehalten habe, wie Morhof in seiner Jäger-Biographie belegt.
❱❱ Stiefel und Schuhe hängen an den Ästen. Die Bäume am Altonaer Balkon tragen einen seltsamen Schmuck. Man ahnt es: Die „Schuhbäume“ sind eine Erfindung aus den USA.
❱❱ Das St. Pauli Bad soll ab Mai sonntags geschlossen werden. „Nicht mit uns“, sagt eine Gruppe Schwimmerinnen, die dort jeden Sonntag ihre Bahnen ziehen.

Mai:


❱❱ Das Blumen-Wunder von Altona. Findige Gartenbauer des Bezirksamtes setzten im Herbst 100.000 Blumenzwiebeln – und ernten in der Blütezeit viel Lob von Passanten.
❱❱ So schön sich die Parks im Frühling auch zeigen, für Hundehalter sind sie Gefahrengebiet. Immer öfter tauchen in Altona Altstadt sowie auf St. Pauli Giftköder auf. In Hackbällchen findet sich mit Rattengift präpariertes Fleisch, in Würstchen Rasierklingen. Wer tut das unseren Hunden an?
❱❱ Der Konflikt um das Bauprojekt „Zeise II“ wächst sich zum Politikum aus. Die Bürgerinitiative verlangt den Rücktritt von Bezirksamtsleieterin Liane Melzer. Sie habe die politische Bedeutung des Konflikts nicht erkannt. Bis auf die SPD prügeln alle Fraktionen in der Bezirksversammlung auf Melzer ein, die diese Krise aber übersteht.
❱❱ Wenn Autofahrer den Namen „Aktiv Transport“ hören, werden sie zornig. Nach Wochenblatt-Nachfrage stellt sich heraus: Die Behörden haben dem dubiosen Unternehmen die Abschlepp-Erlaubnis entzogen. Endlich.

Juni:

❱❱ Zu Fuß nach Fehmarn. Die Klasse 8a der Stadtteilschule Bahrenfeld ist auf eine dreiwöchige Wandertour auf die Ostseeinsel gestartet. Das Wochenblatt berichtet über drei Ausgaben, wie es den Schülern ohne Handys und Smartphones in der Wildnis geht.
❱❱ Start für die 17. Altonale. Mit der Partnerstadt Danzig bringt Altonas großes Kulturfestival den Stadtteil auf die Beine.

Juli:

❱❱ Altona rockt! Über 500.000 Besucher kommen bei heißem Sommerwetter zum Straßenfest der Altonale.
❱❱ Wohnungsbau in Altona, dafür sind eigentlich alle. Doch wie dicht darf das Viertel bebaut werden? Anwohner von Hohenzollernring und Friedensallee kämpfen als Initiative „Otte 60“ gegen eine nach ihrer Ansicht drohende „Extremverdichtung“ vor ihrer Haustür.
❱❱ Das „Hundertwasser-Café“ in der Behringstraße wird wiedereöffnet. Eine Bürgerinitiative hatte sich gegen den Abriss gewehrt. Als Kompromiss wurde wenigstens die Originalfassade des 1998 nach Plänen von Friedensreich Hundertwasser gebauten „Stadtcafé Ottensen“ erhalten.

August:

❱❱ Computer- und Sprachkurse für Ältere finden bald woanders statt: Der LAB-Seniorentreff muss Ende 2016 raus aus den Räumen im dritten Stock im Mercado. Der Bezirk kürzt die Zuschüsse, der Verein kann die Miete nicht mehr aufbringen. Wo Ersatz gefunden wird, ist noch offen.
❱❱ Riesen Rumms im Hochbunker an der Von-Sauer-Straße. In dem Betonklotz lagern Tonnen von Feuerwerkskörpern. 90 Feuerwehrleute löschen den gefährlichen Brand trickreich durch die Lüftungsschlitze.
❱❱ Ein Paket in Altona zu bekommen, ist reine Glückssache. In zahlreichen Leserbriefen schildern die Altonaer, welche skurrilen Erfahrungen sie mit DHL machen. „In Altona geht die Post ab“, nimmt es Bürgerreporter Peter Wulf mit Sarkasmus. Beim Abholen der Pakete am Postamt Kaltenkircher Platz stehen die Kunden bis auf die Straße.
❱❱ Kampf gegen Investorenpläne: Die Bürgerinitiative „Spritzenplatz bleibt – unser Platz an der Sonne“ sammelt 2.776 Unterschriften.

September:

❱❱ Es gibt Dinge, die wir uns in der Redaktion nicht vorstellen konnten. Aber manchmal passieren sie doch: Unsere geschätzte Kollegin Christiane Handke-Schuller wechselt in die Schulbehörde. Die agile Christiane umgeben von roten Aktendeckeln, die Schiebeverfügungen enthalten, und auf langen grauen Fluren hin und her wandern?
Ganz so schlimm kommt es dann doch nicht: Unsere Altona-Redakteurin wird persönliche Referentin von Schulsenator Ties Rabe, der vor ihr beim Elbe Wochenblatt für Altona zuständig war. Er hatte Christiane von der Korrekturleserin zur Redakteurin gemacht. Sie hat sich mit großer Leidenschaft, Lokalkompetenz, dem nötigen Biss und einer großen Portion Humor der Altona-Berichterstattung angenommen. Stets nah dran an den Menschen im Viertel, die sie nun ebenso vermissen werden wie wir.

Oktober:

❱❱ Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Hamburg In der Zentralen Erstaufnahme an der Schnackenburgallee werden noch mehr Zelte aufgestellt. Wie überall wachsen die Menschen an ihren Aufgaben. Menschen wie Bettina Buhr. Sie leitet die Kleiderkammer der Luthergemeinde, die sie selbst mit aufgebaut hat. Rund 70 Stunden pro Woche ackert sie dort unermüdlich mit 25 weiteren Helfern. Besonders begehrt in der Kleiderkammer sind kleine Männergrößen und dicke Winterjacken, weil einige Zelte in diesem kalten Herbst anfänglich nicht beheizbar sind.
❱❱ Abschiedsgottesdienst für Ulrich Hentschel. Der langjährige Pastor der Altonaer Johanniskirche geht mit 65 Jahren in den Ruhestand. Er öffnete das Gotteshaus für Veranstaltungen, das unter seiner Leitung zur Kulturkirche wurde.
❱❱ Wolfgang Westphal ist tot. Unter dem Kürzel ww schrieb der ehemalige Werbetexter seit Mitte der 1990er-Jahre auch für das Altonaer Wochenblatt. Er wurde 73 Jahre alt.

November:

❱❱ Große Kunst: Seit 20 Jahren zeigen die Schlumper Altonaer Grundschülern, wie man Kreativität lernen kann. Nun hängt ein fünf Meter höhes Gesamtkunstwerk, das aus 35 Einzelbildern zusammengesetzt wurde, im Flur der Louise Schroeder Schule, die früher Schule Chemnitzstraße hieß.
❱❱ Bürgerreporter Michael Borkowski klärt unsere Leser auf, wie es war, als die Rainvilleterrasse im 19. Jahrhundert abrutschte. „Schon gewusst?“ heißt Borkowskis lesenswerte Kolumne über die Geheimnisse der Altonaer Geschichte.
❱❱ Einige Verhandlungstage im Prozess gegen Bülent Çiftlik sind schon ins Land gegangen, doch das Medieninteresse am Strafprozess gegen den einstmals gefeierten SPD-Politker lässt nicht nach. Çiftliks ehemalige Freundin Nicole D. („Ich war naiv!“) sagt vor Gericht über die Scheinehe aus, die der Ex-Sozi gestiftet haben soll, wie es ihm die Anklage vorwirft.
❱❱ Lange Gesichter in der Barclaycard Arena im Volkspark. Olympia-Befürworter wollen den Sieg im Referendum feiern, doch es kommt bekanntlich anders. Im Bezirk Altona liegen die Gegner von Olympia 2024 mit 55,3 Prozent weiter vorne als in Hamburg, wo 51,6 Prozent gegen die Spiele stimmen.

Dezember:

❱❱ Altona, Stadtteil der Chöre. Eine kleine Auswahl: In der Kulturkirche erklingt das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach. Der Chor St. Johannis Altona führt es auf. Er besteht aus 70 erfahrenen Sängerinnen und Sängern. Ein weltlicheres Repertoire pflegen die „Chorallen“, die ihr 20-jähriges Bestehen mit gleich drei Konzerten im Stadtteil begehen. Ganz neu und noch in der Aufbauphase befindet sich der Altona Choir of Rock'n'Roll History, der zur ersten Chorprobe einlädt. Da geht noch mehr!
❱❱ Altona 93 und das neue Stadion: Alles dauert nun doch viel länger als im Frühjahr gedacht. Der Bezirk verhandele sehr hart, heißt es vom AFC. Die Stadt Hamburg fordert vom Verein zwei Millionen Euro Kostenbeteiligung für den neuen Sportplatz und 480.000 Euro für ein 60-jähriges Erbbaupachtrecht. Altona 93 will seine Position durch eine Machbarkeitsstudie stärken.
❱❱ Holstenkamp als Durchgangsstraße? Die „Bürgerinitiative Volkspark“ hat schon jetzt was dagegen. Ab Januar läuft eine Planungswerkstatt für das Wohngebiet, das in zehn Jahren durch den A7-Deckel entsteht. 2016 dürfte ähnlich spannend wie das abgelaufene Jahr werden.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.