14 Fehler im Diktat? Super!

Hat Spaß gemacht! Das Team der Abendschule vor dem Holstentor. (Foto: pr)

Lehrer, Schüler und Eltern von 13 Hamburger Schulen traten zum Diktat an.

War das schwer! Über 100 Teilnehmer aus ganz Hamburg traten freiwillig in der Aula der Ida Ehre Schule zum Diktat an. Es nahmen Teams aus Oberstufenschülern, Lehrern und Eltern teil.
Der Diktattext des Wettbewerbs „Hamburg schreibt!“ der Joachim-Herz-Stiftung wird jedes Jahr neu entworfen und enthält eine Menge knifflige Besonderheiten der deutschen Sprache. Auch Jugendsprache und eingebürgerte Fremdwörter sind dabei - auf jeden Fall: eine harte Nuss zu knacken. Kein einziger der 113 Mitmacher schaffte es, das 200-Worte-Diktat ohne Fehler abzugeben. An erster Stelle lag ein Lehrer, Christian Korioth-Steinbach von der privaten Wichern-Schule in Hamburg-Horn. Er hatte vier Fehler.
13 Schulen trauten sich und machten mit: 72 Schüler, 15 Eltern und 23 Lehrer. Aus dem Verbreitungsgebiet des Wochenblatts waren die Abendschule vor dem Holstentor mit vier Teilnehmern und die Kurt-Tucholsky-Schule (Stadtteilschule) mit zehn Teilnehmern dabei.
Direkt im Anschluss an das Diktat wurde gemeinsam korrigiert. Eine Jury bestimmte mit dem Duden als Regelwerk die Sieger. Diese treten am 5. Mai gegen die Besten aus Frankfurt, Osnabrück und ganz Hessen an.
Die Durchschnittsfehlerzahlen waren beachtlich und bewiesen deutlich, wie schwer das Diktat war. Schüler: 27 Fehler, Eltern: 18 Fehler, Lehrer: elf Fehler. Altonas Kurt Tucholsky Stadtteilschule, Eckernförder Straße, konnte eine Gewinnerin präsentieren: Laura Skerra kam mit 14 Fehlern gemeinsam mit Jenni Korth vom Gymnasium Ohlstedt auf den zweiten Platz der Schüler-Gewinner. Erste wurde Birte Hell. Die Schülerin des Gymnasiums Alstertal hatte zwölf Fehler.
Auch Hamburgs Schulsenator Ties Rabe schrieb mit - dessen Ergebnis wollte die Joachim Herz Stiftung aber nicht veröffentlichen..


Und hier das Diktat mit den Erklärungen zur Rechtschreibung:


Herzlich willkommen (1) an Bord!
Wie so häufig sonntagmorgens (2), zuweilen schon eine Dreiviertelstunde (3) vor sechs (4), wenn die hanseatischen (5) Marktstände an der Großen Elbstraße (6) ihre Luken öffnen, sieht man die Heißhungrigen (7) zusammenströmen (8). Hier gibt es das Sowohl-als-auch (9) – für diejenigen (10), die etwas Außergewöhnliches (11) favorisieren, wie auch für ebenjene (12), die Kulinarisches (13) wertzuschätzen (14) wissen. Wenn beim Tidenhub (15) keine römischen (16) Galeeren (17), sondern hamburgische (18) Barkassen (19) und historische Mississippidampfer im Rhythmus (20) der Gezeiten trockenfallen (21), ist das Interesse ohnegleichen (22). Mit ungenierter Wortgewandtheit sorgen die sehr aufsehenerregenden (23) Koryphäen (24) des An-den-Mann-Bringens (25) dafür, dass grätenfreie Aale und filetierte Lachse im Handumdrehen die Besitzer wechseln. Denn auch unter Vielgereisten (26) hat es sich herumgesprochen (27): Dort, wo Alster und Elbe zusammenfließen (28), schmeckt es beim Betrachten (29) der flussauf und -ab manövrierenden Schiffe am besten. Wer an den Theken der nimmermüde fangfrische Ware sehr gewinnbringend (30) feilbietenden, nach frenetischem Beifall heischenden (31) Auktionatoren (32) nicht zuschlägt, ist selbst schuld (33). Doch auf der Reling (34) des nigelnagelneuen (35) Flaggschiffs (36) einer Reederei (37), die Abermillionen (38) Möwen als Start-und-Lande-Bahn (39) nutzen, lauert des Öfteren (40) die eine oder andere (41), um einen Happs vom mundgerecht (42) Servierten (43) zu stibitzen. Mit einem Quäntchen (44) Glück ist es Aale-Dieter, der auf einmal sagt: „Eine Makrele ist keine Makrele. Ebendarum (45) sollst du unentgeltlich (46) noch ein viertel Kilogramm / Viertelkilogramm (47) dazubekommen (48)!“ Am Hamburger (49) Hafen ist die Atmosphäre (50) eben alles außer gewöhnlich!
HS

Glossar
1 Das Adjektiv „willkommen“ wird kleingeschrieben: „jemand ist willkommen; [seid] herzlich willkommen!“. Das Substantiv hingegen wird großgeschrieben: „Man bereitete ihm ein herzliches Willkommen.“
2 Die Verbindung von Wochentag und Tageszeitangabe wird meist zusammengeschrieben. Bei vom Wochentag abgeleiteten Adverb gilt jedoch Getrenntschreibung: samstags morgens.
3 Bruchzahlen schreibt man klein und getrennt, wenn sie als Attribut gebraucht werden: „Der Fahrer lud in drei viertel Stunden nur vier fünftel Zentner Kartoffeln ab.“ Groß schreibt man die Bruchzahl, wenn sie als Substantiv gebraucht wird: „mit zwei Drittel(n) der Stimmen“. Zusammen schreibt man Bruchzahlen dann, wenn sie zum Erstglied allgemein gebräuchlicher fester Maßbezeichnungen geworden sind: „Das kostet mich eine Viertelstunde / eine Dreiviertelstunde.“
4 Uhrzeiten werden kleingeschrieben.
5 Von geografischen Namen abgeleitete Adjektive auf „-isch“ werden kleingeschrieben, wenn sie nicht Teil eines Eigennamens sind.
6 Eigennamen werden großgeschrieben. 7 Als Substantiv gebrauchte Wortarten schreibt man groß.
8 Bei der Verbindung von Adverbien wie „zusammen“ mit einem Verb zeigt die Hauptbetonung des Adverbs in der Regel Zusammenschreibung an.
9 Bei mehrteiligen substantivierten Konjunktionen mit Bindestrich schreibt man nur das erste Wort groß.
10 Das Demonstrativpronomen „derjenige, diejenige, dasjenige“ wird immer zusammen- und kleingeschrieben.
11 Siehe Anmerkung 7.
12 Das Demonstrativpronomen „ebenjene“ (= „genau jene“) wird immer zusammen- und kleingeschrieben.
13 Siehe Anmerkung 7.
14 Das Verb „wertschätzen“ (= „respektieren, hochhalten“) kann als feste oder unfeste Verbindung verwendet werden: „Ich wertschätze das“ oder „Ich schätze das wert“. Beim Infinitiv mit „zu“ lautet die richtige Form: „Er wusste es wertzuschätzen.“ Hier gilt die Zusammenschreibung.
15 = Unterschied des Wasserstandes zwischen Hochwasser und Niedrigwasser. Verwandte Form: „Tidehub“. Hier wurde „Tidenhub“ diktiert.
16 Siehe Anmerkung 5.
17 (Im Mittelalter) vor allem durch Rudern angetriebenes Schiff (mit zwei Segelmasten) des Mittelmeerraums, meist mit zum Rudern verurteilten Sklaven, Sträflingen oder Gefangenen.
18 Siehe Anmerkung 5.
19 Der Anfang des 18. Jahrhunderts ins Deutsche entlehnte seemännische Ausdruck geht (ebenso wie erst im 19. Jh. bezeugtes franz. barcasse und barkas (niederländ.)) letztlich auf barcaccia (ital. = „untaugliches, schadhaftes Boot“) zurück. Die Bedeutung „größtes Beiboot“ weist auf Vermittlung durch barcaza (span.), das bereits im 18. Jh. in diesem Sinne gebraucht wird.
20 Der „Rhythmus“, bei dem gerne das eine oder andere „h“ weggelassen wird, leitet sich ab von rhythmus (lat.) < rhythmós (griech. = „Gleichmaß“, eigentlich = „das Fließen“).
21 = (Von schwimmenden Objekten) sich mit dem Absinken des Wasserspiegels auf eine trockenfallende Fläche senken.
22 Das Adverb für „so [geartet, beschaffen], dass es mit nichts verglichen werden kann“ wurde schon vor über hundert Jahren als Zusammensetzung zusammengeschrieben.
23 Nomen und Partizipien können in der Regel getrennt oder zusammengeschrieben werden. Aber sie werden zusammengeschrieben, wenn die Verbindung als Ganzes erweitert oder gesteigert wird → „sehr aufsehenerregend“. Wenn nur das erste Element der Verbindung erweitert oder gesteigert wird, schreibt man getrennt → „großes Aufsehen erregend“.
24 Das Wort mit der Bedeutung „herausragender Experte“ geht auf das Griechische zurück, wo es „Anführer“ oder „Chorführer“ bedeutet.
25 Als Nomen verwendete Infinitivgruppen mit mehr als zwei Bestandteilen schreibt man mit Bindestrichen. Das erste Wort wird großgeschrieben, auch wenn es kein Nomen ist. Bei dieser Aneinanderreihung ist das Verb substantiviert und wird großgeschrieben.
26 Siehe Anmerkung 7.
27 Partikeln (hier: Adverb) und Verben werden zusammengeschrieben, wenn die Partikel stärker betont ist als das Verb. Zwischen Partikel und Verb können keine anderen Wörter stehen.
28 Siehe Anmerkung 8. 29 Siehe Anmerkung 7. 30 Siehe Anmerkung 23.
31 Nomen und Partizipien können in der Regel getrennt oder zusammengeschrieben werden. Wenn nur das erste Element der Verbindung erweitert oder gesteigert wird, schreibt man getrennt → „eine beifallheischende / eine Beifall heischende Pose“ → „das frenetischen Beifall spendende Publikum“ / „die nach frenetischem Beifall heischenden Auktionatoren“.
32 Dem „Auktionator“ liegt die „Auktion“ (= „Versteigerung“) zugrunde. Entlehnt aus lat. auctio zu lat. augēre (= „vergrößern, vermehren“). Zugrunde liegt der Gedanke, dass bei einer Auktion der Preis durch das Bieten immer höherer Summen vermehrt, vergrößert wird.
33 Das Nomen „Schuld” wird in Verbindung mit dem Verb „sein” im vorliegenden Kontext zu einem Adjektiv und deshalb kleingeschrieben.
34 Der Begriff für „Schiffsgeländer“ oder „Brüstung“ schreibt sich nur mit einem „e“. Zu „Reling“ gibt es zwei Pluralformen, „Relings“ und „Relinge“.
35 Früher nur „nagelneu“ (= „neu wie ein gerade hergestellter Nagel“), dann in wortspielerischer Verdoppelung mit Vokalvariation erweitert (ähnlich wie „pitschepatschenass“).
36 Das „Flaggschiff“ verdankt seinen Namen der Flagge des maritimen Befehlshabers, die das führende Schiff einer Flotte kennzeichnete.
37 = Schifffahrtsunternehmen, Handelsgesellschaft, die mit [eigenen] Schiffen Personen und Güter befördert.
38 Die „Abermillionen“, wie auch die „Abermilliarden“, werden großgeschrieben. Vergleiche Groß- und Kleinschreibung bei „abertausenden / Abertausenden“: Wenn „hundert“ und „tausend“ (Kardinalzahlen unter einer Million) eine unbestimmte Menge angeben, können sie auch auf die Zahlsubstantive „Hundert“ und „Tausend“ bezogen werden; entsprechend kann man sie dann klein- oder großschreiben.
39 Der Bindestrich muss zwischen allen Teilen von Wortzusammensetzungen, die Aneinanderreihungen oder Wortgruppen enthalten, gesetzt werden.
40 Der Artikel „des“ signalisiert die Großschreibung von „Öfteren“. Vor 1996 galt hier Kleinschreibung mit der Begründung, dass „des Öfteren“ durch das einfache Adverb „öfter“ ersetzbar ist.
41 Die Zahladjektive „ein“ und „andere“ werden in der Regel kleingeschrieben. Ausnahme: Soll der substantivische Gebrauch betont werden, kann in einigen Fällen großgeschrieben werden → Die einen / Einen sagen dies, die anderen / Anderen das.
42 Das Suffix „-gerecht“ drückt in Bildungen mit Substantiven aus, dass die beschriebene Sache jemandem / einer Sache angemessen ist, jemandem / einer Sache zukommt, den Ansprüchen von jemandem / etwas genügt. Weitere Beispiele: „behinderten-, computer-, markt-, menschengerecht“.
43 Siehe Anmerkung 7.
44 Nicht immer die sprachgeschichtliche Verwandtschaft, sondern in einigen Fällen auch eine inhaltliche Verwandtschaft wird der Schreibweise zugrunde gelegt. Das Wort, welches heute mit „Quantum” in Verbindung gebracht wird, leitete sich ursprünglich von „Quent”, einem früheren deutschen Handelsgewicht [1,67 g], ab und wurde früher „Quentchen” geschrieben.
45 Das Pronominaladverb wird zusammengeschrieben.
46 Das Wort enthält keinen Bestandteil, der etwas mit „Ende“ zu tun hätte, sondern die Vorsilbe „ent-“ und das Verb „gelten“. Die Kombination hatte schon in alter Zeit die Bedeutung „für etwas zahlen“.
47 Bruchzahlen vor Maßangaben schreibt man in der Regel klein und von der Maßangabe getrennt, es ist aber auch die Zusammenschreibung „Viertelkilogramm“ zulässig.
48 Partikeln (hier: Adverb) und Verben werden zusammengeschrieben, wenn die Partikel stärker betont ist als das Verb. Zwischen Partikel und Verb können keine anderen Wörter stehen.
49 Ableitungen von geografischen Eigennamen auf „-er“ werden generell großgeschrieben.
50 Das Fremdwort „Atmosphäre“ kommt aus dem Griechischen und leitet sich ab von atmós (= „Dunst“) und sphaira (= „Himmelskugel, Erdkugel“), daher wird es mit einfachem „t“ ohne „h“ geschrieben.
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