13 junge Männer - keiner wurde älter als 23 Jahre

Luois Deslandes - links als junger Mann, rechts ein aktuelles Foto - schrieb ein Buch über die Bombennacht im Zwangslager.

Ergreifende Gedenkveranstaltung - 13 neue Stolpersteine auf der Jessenstraße.

Am vergangenen Sonntag wurden am Technischen Rathaus Altona in der Jessenstraße 1-3 eine Gedenkplakette und 13 neue Stolpersteine enthüllt. Sie erinnern an 13 junge Franzosen, Zwangsarbeiter. Sie starben in Altona, keiner wurde älter als 23 Jahre.
Die jungen Männer waren in der heutigen Virchowstraße untergebracht - damals hieß sie Norderstraße. Für 590 Menschen war das Lager angelegt, bis zu 3.000 muss-ten dort unterkommen. Am 25. Juli 1943 bombardierten die Alliierten Hamburg in der Operation Gomorrha. Pierre Trillaud, Daniel Boutin, Camille Charpentier, René Deau, Marcel Jaulin, Alexandre Lambert, André Leger, Hilaire Mars, Guy Mercier, René Paris, Pierre Rambaud und Roger Roulland kamen ums Leben. Jean Rossignol überlebte, starb aber ein Jahr später an Typhus.
Louis Deslandes entkam dem Tod. 2004 beschrieb er seine Hamburger Erfahrungen in einem Buch: „Nuit d'enfer à Hambourg“, „Höllennacht in Hamburg“. 2011 bat er in einem Brief an den Hamburger Bürgermeis-ter darum, das Schicksal der Zwangsarbeiter, die in der Höllennacht umgekommen waren, nicht zu vergessen.
Darauf gründete die Bezirksversammlung Altona eine Arbeitsgruppe, geleitet von Stefanie Wolpert ( Grüne). Die Gruppe, zu der Gaby von Malottki vom Stadtteilarchiv Ottensen ebenso gehörte wie Schüler des Gymnasiums Allee, forschte nach und fand beeindruckend zahlreiche Details über das Lager und die jungen Männer aus der Vendée heraus.
Die Arbeitsgruppe organisierte auch die Gedenkveranstaltung vom Sonntag. Mehrere Nachfahren der ums Leben gekommen Zwangsarbeiter waren aus Frankreich gekommen, unter anderem der Neffe von René Deau, der in einer ergreifenden Rede aus den Briefen seines Onkels zitierte: „Wir werden gut versorgt; es gibt nur selten Alarm, nichts zu fürchten, man könnte glauben, die Engländern haben keine Flugzeuge mehr....“
Als Gäste dabei ware auch Jan und Sielke Reineke, Sohn und Schwiegertochter des Altonaer Unternehmers Hans K. Reineke. Dieser hatte den nach der Bombennacht herumirrenden Louis Deslandes und dessen Freund von der Straße aufgelesen, ihnen Unterkunft in seinem Haus gewährt und das Bahnticket nach Frankreich bezahlt. Gesprochen darüber hat er bis zu seinem Tode nicht.
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Rudolf Lessing aus Wilhelmsburg | 30.01.2013 | 12:59  
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