100 Meter Schlange stehen für ein Paket

Zum Vergleich: Vor dem Postbank am Kaltenkircher Platz stauten sich die Menschenmassen am Sonnabend auf einer Länge von rund 100 Metern. Foto: cvs

Postfiliale am Piependreiherweg war am Sonnabend wegen Personalausfällen geschlossen, Land unter am Kaltenkircher Platz

Von Christopher von Savigny. Die Nachricht an der Tür verheißt nichts Gutes: „Geschlossen“, steht dort geschrieben. Und gleich daneben eine weitere, große Mitteilung mit der Ankündigung, dass der Laden Ende Dezember komplett dichtmachen will. An diesem Sonnabendmittag – wenige Wochen vor Weihnachten – hat sich binnen Kürze eine große Menschentraube vor dem Eingang der Postbank-Filiale am Piependreiherweg gebildet. „Saftladen!“, sagt eine Frau, die mit mehreren Paketen auf dem Arm erschienen ist. „Wo soll ich denn jetzt hin?“
Erst kürzlich hatte das Elbe Wochenblatt über die geplante Schließung des Ottenser Postamts berichtet. Eine Flut von Leserbriefen war die Folge. Tenor: Wie kann eine Filiale, die stets mit langen Warteschlangen zu kämpfen hat, nicht gewinnbringend sein? Und vor allem: Wo sollen ältere Anwohner künftig ihre Post loswerden oder ihre Bankgeschäfte tätigen? Kaltenkircher Platz? Altonaer Poststraße? Beides weit weg und selbst mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schlecht zu erreichen. Die Rede war auch von „fehlender Bürgernähe“ und von einem „Stück Heimat“, das verloren ginge. „Der Altonaer Bahnhof soll dichtgemacht werden und nun auch noch die Ottenser Post“, sagt Stadtteilaktivist Hannes Classen („Otte 60“). „Das alles mag nützlich sein für die Profitmaximierung, für die Menschen in der Stadt bringt es nur Nachteile. So kann es nicht weitergehen, die Politik muss hier dringend gegensteuern. Meiner Ansicht nach gehört die Daseinsvorsorge – Post, Bahn, Krankenhäuser, Energieversorgung – in öffentliche Hände.“

Im Postdeutsch haben sich "Einzugsgebiete überschnitten"

Hintergrund für die Schließung ist nach Auskunft der Postbank die bisherige „Überschneidung der Kundeneinzugsgebiete der beiden Finanzcenter im Piependreiherweg und in der Altonaer Poststraße“.
Offiziell werden die beiden Filialen „zusammengelegt“. Ersatzweise eröffnet am 2. Januar 2017 eine „Partnerfiliale“ (also ein Postschalter in einem bereits bestehenden Geschäft) in der Bahrenfelder Straße 233.
Bleibt die Frage: Warum die unangekündigte Schließung am vergangenen Wochenende? „Am Freitagnachmittag und Sonnabendvormittag hatten wir kurzfristig Personalausfälle“, erklärt Firmensprecher Ralf Palm. Manchmal könne man solche Ausfälle auffangen – in diesem Fall leider nicht. „Da kann es schon mal zu einer temporären Schließung kommen.“
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1 Kommentar
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Christina Zeh aus Altona | 11.12.2016 | 06:10  
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